Mein Arbeitsplatz im Wandel der Zeit

Online ist das neue Normal

Wenn mir vor einem Jahr jemand erklärt hätte, dass ich im Sommer 2020 die Mehrzahl meiner Konferenzen, Workshops, Vorlesungen oder Präsentationen online von meinem Büro aus durchführen würde, hätte ich ihn für total übergeschnappt erklärt. Inzwischen gehören Greenscreen und Softboxen zu meiner Büroausstattung und ich gehe mehrere Male pro Woche online.

Pannen gehören dazu

Bei meinen ersten virtuellen Gehversuchen im März war ich brutal nervös, ob ich alles in Griff bekäme. Und tatsächlich ist so ziemlich alles, was schief gehen kann, in der Zwischenzeit auch schief gegangen. Aber im Laufe der Wochen habe ich mir eine gewisse Routine und ein dickes Fell zugelegt. Perfektion ist nicht, kannst du vergessen! Pannen gehören einfach dazu, man muss lernen mit Ihnen umzugehen. Und dankenswerterweise sehen das meine Gesprächspartner draußen genauso. (Fast) alle haben eine erfreulich hohe Pannen-Toleranz.

Ich fühle mich ein wenig an 1997/98 erinnert, als ich die ersten Websites für Kunden konzipiert habe, die dann auch wirklich realisiert wurden. Bei Design und Programmierung ging ständig etwas schief, Bilder verrutschten, Schriften verschwanden, Farben veränderten sich. Fehler gehörten zum Tagesgeschäft und die Fehlersuche wurde bisweilen zur Odyssee. Aber trotz des ständigen Stresses mit den Website-Tücken waren alle irgendwie stolz darauf, unbekannte Wege zu gehen und Neues auszutesten.

Kein Weg zurück

Vor allem ältere Semester berichten mir, sie freuen sich auf das Ende von Corona, wenn es zurückgeht zum „Business as usual“. Sorry, es wird kein Zurück geben. Nicht, dass wir in Zukunft vom kurzen Meeting bis zum langen Workshop alles online laufen lassen, denn bestimmte Themen, Probleme und Gruppenkonstellationen funktionieren einfach besser, wenn die Teilnehmenden sich direkt sehen, hören, riechen, fühlen, spüren.

Aber eine Reihe von Routine-Veranstaltungen, für die ich in der Vergangenheit oft hunderte Kilometer mit der Bahn gefahren bin, um mitzureden, werden in Zukunft dauerhaft ins Netz verlegt. Das spart Zeit und Kosten. Ich schätze, dass meine Reisetätigkeit in Zukunft um 30 % bis 40 % zurückgehen wird.

Und während ich meine nächste Online-Konferenz vorbereite, höre ich Bob Dylan hinten in meinem Kopf vor sich hin krächzen: „If your time to you is worth savin‘, you better start swimmin‘ or you’ll sink like a stone, for the times they are a-changin‘.“