Moodboards – zunehmend mutlos und müde

Moodboards – altes Tool neu entdeckt

Visualisierung ist eine prägende Dimension der Kommunikation. Und vor diesem Hintergrund versteht man unter einem Moodboard die idealtypische Collage von Bildern, die dem Betrachter die besondere unverwechselbare visuelle Stimmung der zukünftigen Kommunikation vermitteln soll. Die Kommunikation bekommt eine eigene Bildschrift.

Moodboards gab es schon damals in den 80ziger Jahren, als ich in der Kommunikationsbranche anfing. Eine Zeitlang waren sie ziemlich abgemeldet, aber gerade in den letzten Jahren liegen Moodboards wieder voll im Trend. Über den Daumen jedes dritte Kommunikationskonzept, das ich aktuell aufschlage und durchblättere, beinhaltet ein Moodboard.

Moodboards – so nicht!

Allerdings erlebe ich viele der heutigen Moodboards als Zumutung. Da wurde mal eben auf die Schnelle ein Moodboard arrangiert. Das Ergebnis ist eine Kombination aus generischen Bildern aus Stockfoto-Sammlungen, die in der Summe nur irgendwelche Klischees bedienen. Inspiration? Identität? Individualität? Keine Spur!

Letzten Monat kam mir ein Moodboard für eine Kette von Fashion-Boutiquen vor Augen: lauter gesichtslos lächelnde Models vor Schaufenstern, in Läden, in der Ankleide, mit Shopping-Tüte. Danach zeigte mir ein Kunde ein Moodboard für sein neues Heizsystem. Herbststimmung mit fallenden Blättern, Herbstfeuer und heißen Maronen, eine Stockfoto-Familie, die sich zusammenkuschelt. Um Klischees zu bedienen, braucht es kein Moodboard, Leute!

Moodboards – so und nicht anders!

Die Bilder von Moodboards verbinden sich, und in ihrer Verbindung entsteht etwas Neues. Gegensätze erzeugen Spannung und haben Ausstrahlung. Einzelne Bilder verschmelzen zu einer unverwechselbaren neuen Stimmungslage. Der Betrachter reagiert überrascht und emotional berührt. Man muss ihm die Stimmung nicht erklären, sie vermittelt sich von selbst, und nach zwei, drei Tagen steht sie ihm immer noch vor Augen.

Solche Moodboards spenden der Kommunikation Kraft. Sie bringen Grafiker, Texter, Fotografen, Filmer, Storyteller auf viele, ganz tolle Ideen.

Wichtig ist dabei, dass es sich nicht um irgendwelche Anmutungen handelt, sondern um Inspirationen, welche die Werte von Marke, Unternehmen, Produkt, Dienstleistung in einem neuen, interessanten Licht erscheinen lassen.

Moodboards – auch analog

Moodboards werden heute in der Regel digital erstellt. Es gibt Apps wie Gomoodboard, Morpholio oder Sampleboard, die das „in Stimmung bringen“ erleichtern.

Aber vielleicht sollten es sich die Konzeptioner und Kreativen nicht so einfach machen und mehr Zeit in ihr Board investieren, als die 60 Sekunden, die eine der obigen Apps für notwendig hält. Denn wie in meiner Anfangszeit lassen sich Moodboards weiterhin auch mit ausgeschnittenen Bildern, kleinen Zeichnungen, grafischen Elementen, kurzen typischen Textaussagen auf einem Karton zusammenkleben, und erst dann mit dem Smartphone ablichten und digitalisieren.

Alle Fotos der Bildcollage: pixabay.com, unsplash.com