Der stille Tod der mittelfristigen Ziele

Früher: Klassischer Dreiklang der Ziele

Bis vor einigen Jahren war die Zeitachse der strategischen Kommunikationsplanung methodisch fest gefügt. Die kurzfristigen Kommunikationsziele standen für 1 bis 2 Jahre, die mittelfristigen Ziele für 3 bis 5 Jahre und die langfristigen Ziele für 5 bis 10 Jahre. Das war einmal! Inzwischen sind die Zeiten schneller, hektischer und die Zeitachse ist kürzer geworden.

Langfristige Ziele werden kurzatmig

Wenn ich in meinen Konzeptionsworkshops die Auftraggebenden auffordere, mir langfristige Ziele mit einem Horizont von 10 Jahren zu nennen, dann werde ich ausgelacht: „Herr Schmidbauer, wo denken Sie hin? Niemand kann absehen, was in zehn Jahren sein wird. Wahrscheinlich sind wir dann alle nicht mehr in diesem Unternehmen.“ Selbst mit 7 Jahren treffe ich fast durchgehend auf Ablehnung, zu weit weg, zu unsicher. In meinen aktuellen Kommunikationskonzepten werden die Langfristziele, wenn es hoch kommt mit 5 Jahren, im Regelfall mit 3 Jahren terminiert. 3 Jahre! Mehr Weitsicht traut sich keiner zu.

Heute: R.I.P. mittelfristige Ziele

Wenn die kurzfristigen Kommunikationsziele bei einem Jahr und die langfristigen Ziele bei 3 Jahren liegen, dann passen die mittelfristigen Ziele nicht mehr rein, man müsste sie mit Gewalt dazwischen quetschen. Die Folge: Bei mir und bei den meisten meiner Kollegen tauchen mittelfristige Ziele in den Konzepten nicht mehr auf. Ich habe die Suchfunktion meines Computers befragt. Es ist inzwischen 8 Jahre her, dass ich das letzte Mal mit einem mittelfristigen Kommunikationsziel gearbeitet habe.

Einst eine feste Größe der Kommunikationsstrategie sind die mittelfristigen Ziele zwischenzeitlich eines stillen Todes gestorben. Mir scheint, niemand weint ihnen eine Träne nach.