Probepräsentation: Chancen und Gefahren

Unbedingt, keine Frage! Ich empfehle dringend, vor der Präsentation von wichtigen Konzepten eine Probepräsentation anzusetzen. Es sollten möglichst realistische Bedingungen geschaffen und ein paar wache Zuhörer einbezogen werden. Die Probepräsentation ist die Generalprobe für die  Stunde der Wahrheit.  Deshalb muss sie von allen Beteiligten Ernst genommen werden. Kein Unterbrechungen und keine Störungen während des Vortrags. Der Vortragende präsentiert in einem Stück nonstop durch, ganz egal, was auf der Strecke passiert.

In aller Regel wird die Präsentation beim Auftraggeber durch eine vorherige Probe spürbar besser. Die Probe macht Fehler offensichtlich und diese Chance sollte man sich nicht entgehen lassen. Die häufigsten Fehler sind:

  • Brüche, Lücken und Knoten in der inhaltlichen Linie des Konzepts werden gnadenlos aufgedeckt. Die Zuhörer stolpern regelrecht darüber.
  • Überladene, textgesättigte Vortragsfolien entlarven sich, denn sie lenken die Zuhörer ab. Es entsteht eine Konkurrenz zwischen Vortragendem und Folie. Meist gewinnt die Folie.
  • Schwächen im Vortrag fallen rechtzeitig auf. Sei es, dass der Vortragende permanent die Folienprojektion fixiert und den Zuhörern den Rücken zukehrt, oder dass viel zu hastig, ohne Punkt und Komma vorgetragen wird.

Allerdings birgt eine Probepräsentation auch Gefahren. Im Einzelfall kann es passieren, dass aufgrund eine verkorksten Probepräsentation, die  eigentliche Präsentation runtergezogen wird. Die häufigsten Ursachen für den Qualitätseinbruch sind:

  • Im Anschluss an den Vortrag stürzen sich die Zuhörer auf den Vortragenden und decken ihn mit Kritik ein. Es hagelt Fehlermeldungen und Änderungswünsche. Der Präsentator wird durch die Last erdrückt und fängt an, sich vor der Präsentation zu fürchten.
  • Die Beteiligten erleben das Konzept das erste Mal im Zusammenhang und lassen sich verunsichern. Die Inhalte wirken plötzlich so blass und dünn. In Panik wird in letzter Sekunde alles umgeschmissen und mit heißer Nadel eine neue Version gestrickt.  Das Ergebnis ist meist Flickwerk und die Präsentation fällt entsprechend aus.
  • Die Zuhörer haben nach der Probe das Gefühl, es wurde zu wenig gesagt. Viele mühsam erarbeitete Einzelheiten blieben unerwähnt. An manchen Stellen fehlten Details, auf die der Kunde wohlmöglich großen Wert legt. Also wird die Präsentation noch einmal gründlich angedickt.  Das geht meist schief, denn die Kunst der Präsentation ist die Kunst der Reduktion.

Übrigens laufe ich bei meinen eigenen Probepräsentationen nur selten zu überzeugender Form auf, weil mir in der Probe nämlich ein wesentlicher Energiespender der Präsentation fehlt: Adrenalin.