Loading...
18 Juni 2019

Angebotsverfahren für Konzepte

By |2019-06-18T13:47:41+00:00Juni. 18th. 2019|Branche und Business|

Ein Auftrag winkt! Oder tut er nur so?

 

In den letzten Jahren ist es üblich geworden, dass für ein Kommunikationskonzept ein Vergabeverfahren durchgeführt wird und ich zuerst ein gründliches Angebot einreichen muss – und das nicht nur bei Aufträgen der öffentlichen Hand. Der Auftraggeber vergibt nicht an den Erstbesten, sondern vergleicht mehrere Angebote und wählt das Beste aus. Auch wenn es bei Konzeptaufträgen nie um Riesensummen geht, finde ich das vorgelagerte Entscheidungsverfahren okay – wenn da bei einer zunehmenden Zahl von Verfahren nicht dieses komische Bauchgefühl aufkeimen würde, dass sie möglicherweise nicht echt sind….

Ausschreibung als Attrappe

Ich kann es nicht beweisen, aber mir scheint, als seien manche Angebotsverfahren nur vorgeschoben, um dem Verfahren einen korrekten Anstrich zu geben. In Wirklichkeit ist die Entscheidung für einen Anbieter längst gefallen oder es gibt zumindest klare Sympathien, so dass meine Teilnahme von vorneherein zwecklos ist. Weil Kolleg/innen von ähnlichen Erfahrungen berichten, hat sich mein Verdacht weiter erhärtet. Aber wie komme ich dazu? Was sind die Verdachtsmomente?

Belastende Indizien

Die verdächtigen Angebotsverfahren laufen anders als die Regel ab. Falls nur 1 bis 3 der nachfolgenden Indizien auftauchen, würde ich sagen, das ist Zufall. Sobald aber 4 oder mehr eintreten, werde ich vorsichtig:

  • Die Ausschreibungsunterlagen sind formal und oberflächlich. Ich sehe ihnen an, dass sie schnell, schnell zusammengestellt wurden.
  • Die Angebotsunterlagen sind zwar oberflächlich, aber im Profil der Anforderungen plötzlich sehr speziell (auf den favorisierten Anbieter) zugeschnitten.
  • Der Auftraggeber ist ein Erstkontakt. Er kommt auf mich nicht über Empfehlung, er kennt mich auch nicht aus meinen Konzeptionsseminaren. Nein, er hat den Kontakt gegoogelt.
  • Die Zeit bis zur Angebotsabgabe ist untypisch kurz, nur wenige Tage. Möglich, dass die Entscheidung bereits gefallen ist, aber man zur Legitimierung schnell Vergleichsangebote benötigt.
  • Um ein Angebot abzugeben, muss ich vertiefende Fragen stellen. Doch die Abfrage läuft zäh, der fachlich Verantwortliche ist schwer erreichbar, und habe ich ihn endlich am Telefon, dann beantwortet er meine Fragen kurz angebunden und distanziert. Ich spüre, dass er das Gespräch schnell hinter sich bringen will.
  • Der Verantwortliche steht für Fragen überhaupt nicht zur Verfügung, sondern verweist auf Assistenten und Hilfskräfte, die alles andere als themensicher sind.
  • Ein telefonischer Kontakt wird kategorisch ausgeschlossen, lediglich schriftliche Fragen per E-Mail sind möglich. Die zurückgemailten Antworten sind einsilbig und trivial.
  • Über eine Blitzrecherche im Internet finde ich heraus, dass der Auftraggeber seit einiger Zeit vertrauensvoll mit einer Agentur/ einem Kommunikationsstrategen zusammenarbeitet. Die sozialen Medien lassen hier überraschend tief blicken.
  • Die Angebotsfrist ist abgelaufen und es dauert überlang, bis die Ablehnung kommt. Die Mail ist kurz, standardisiert, unpersönlich.

Business Ghosting

Muss ich einen kompletten Arbeitstag oder mehr für das Angebot investieren, dann lehne ich dankend ab, sobald viele der obigen Verdachtsmomente zusammenkommen. Muss ich wenig Zeit investieren, weil die Angebotsanforderungen niedrig sind, dann reiche ich auch bei Schummel-Verdacht ein.

In dem Zusammenhang will ich von einem neuen gruseligen Phänomen in Angebotsverfahren berichten. In Trenddeutsch heißt das Phänomen „Business Ghosting“. Ich habe meine Angebotsunterlagen fristgerecht abgegeben, das Verfahren ist abgeschlossen und ich warte………….., aber es kommt null Resonanz. Kein Auftrag, keine Ablehnung. Alles was bleibt, ist Schweigen.

5 Juni 2019

Kompaktes Konzeptionsbuch

By |2019-06-05T13:12:35+00:00Juni. 5th. 2019|Branche und Business|

Erfolgreiche Kundenansprache nach Plan

Von Peter Michael Bak

Ich lese eigentlich alle Fachbücher rund um das Thema Konzeption, aber dieses hier habe ich bei Neuerscheinung 2016 übersehen. 64 Seiten? Das schmale Taschenbuch ist schnell gelesen, eine gute Stunde habe ich gebraucht. In Zeiten von tl;dr („too long: didn´t read“) kommt die Kürze gerade richtig.

Das Buch ist schlau für Leute, die sich in die strategische Kommunikationsplanung einlesen oder ihre eingerostetes Konzeptionswissen auffrischen wollen. Der Inhalt gibt den gesamten Weg des modernen Kommunikationskonzepts wieder. Schritt für Schritt von Aufgabenstellung und Situationsanalyse über Zielgruppen, Zielsetzung, Positionierung und Botschaften bis hin zur Umsetzung mit Maßnahmen- und Mediaplanung.

Der Text liest sich flüssig, es gibt viele Praxistipps und Beispiele. Am Ende der Lektüre hat man eine klare Vorstellung, worauf es beim Konzept ankommt. Das reicht noch nicht, um danach ein Kommunikationskonzept solide auf die Beine zu stellen. Dazu fehlen viele Details und Feinheiten, wie sollte es bei 64 Seiten auch anders sein.

Für meine eigene Konzeptionsarbeit habe ich vor allem die Ausführungen über die Bedeutung des Kommunikationsabsenders aufmerksam gelesen und mir wichtige Teile in mein Notizbuch übertragen. Denn mir passiert es ständig, dass ich zwar Botschaften und Themen festlege, aber nicht definiere, wer als Absender der Inhalte auftreten soll. Der richtige Absender kann die Überzeugungskraft einer Botschaft deutlich erhöhen. Deshalb muss die Erzählperspektive festgelegt und in der Kommunikationsarbeit durchgehalten werden.

Wie der Titel schon vermuten lässt, ist das Taschenbuch eher auf Werbung und Marketingkommunikation zugeschnitten. Im Visier des Kommunikationskonzepts steht die Kundenansprache. Dennoch ist der beschriebene Weg auch für andere Kommunikationsdisziplinen wie Presse- und Öffentlichkeitsarbeit oder Imagekommunikation problemlos zu begehen, zumal der Autor Wert auf eine integrierte Kommunikationsfunktion legt.

Peter Michael Bak

Erfolgreiche Kundenansprache nach Plan

Grundlagen zur Erstellung eines Kommunikationskonzepts

Springer Fachmedien

Erste Auflage 2016

Taschenbuch

64 Seiten

24 Mai 2019

SWOT als Mindmap

By |2019-05-24T09:17:08+00:00Mai. 24th. 2019|Briefing und Analyse|

SWOT-Analyse mit Tiefenwirkung

Die SWOT ist ein Standardinstrument der Kommunikationsanalyse. Jeder kennt sie, fast jeder hat bereits das SWOT-Kreuz mit den vier Feldern Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken eingesetzt. Alle wichtigen Infos zur klassischen SWOT habe ich vor einem Jahr in einem Wissensvideo auf YouTube zusammengefasst.

Aber das klassische Kreuz ist nicht alternativlos. Um mehr Tiefenwirkung in das Lagebild der SWOT zu bekommen und Zwischentöne herauszuarbeiten, nutze ich bisweilen ein Mindmap. Das Tool öffnet die vier Felder und ermöglicht eine mehrstufige SWOT.

Wie baut man eine Mehrstufige?

Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken sind die vier dicken Mindmap-Äste, von denen die kommunikationsrelevanten Faktoren abzweigen. Die Besonderheit: die Faktoren können sich in weiteren Stufen tiefer verästeln. Hauptfaktoren bekommen Unterfaktoren und werden so in ihren maßgeblichen Ausprägungen transparent. Wenn es der Analyse nützt, können sogar die Unterfaktoren verästeln – es wachsen quasi Unter-Unterfaktoren.

Wann macht die Mehrstufige Sinn?

Es gilt die Maxime, dass die SWOT ein kompaktes, übersichtliches Lagebild skizziert, das der Betrachter schnell erfassen kann. Deshalb arbeitet meine Mindmap nur solche Faktoren mehrstufig aus, bei denen durch zusätzliche Stufen wichtige Einsichten entstehen.

Der anstehende Kommunikationsfall ist kompliziert, die Situation hat ihre Tücken und mich beschleicht das Gefühl, ich sollte genauer hinschauen. Zum Beispiel in der B2B-Kommunikation, wenn High Tech-Produkte innovativ und erklärungsbedürftig sind, oder bei der Vermittlung von sensiblen öffentlichen Themen wie Organspende oder Verkehrswende, hier bringt die Mehrstufige deutlich mehr Tiefenschärfe in die SWOT-Analyse.

Wie entsteht die Mehrstufige?

Ich nutze eine der bekannten Mindmap-Apps. Die App funktioniert herrlich intuitiv, zuerst klicke ich die vier zentralen Äste Stärken, Schwächen, Chancen, Risiken in die Map, an die ich nacheinander die maßgeblichen Hauptfaktoren hänge. Anschließend ergänze ich die relevanten Subfaktoren. Zum Abschluss schaue ich mir die Mindmap im Überblick an, kürze hier oder füge dort noch einen Ast ein. So entsteht mit wenigen Klicks und kurzen Stichworten ein aussagekräftiges Lagebild, von dem ausgehend im nächsten Arbeitsschritt der strategische Kurs bestimmt werden kann.

24 April 2019

Die Wahrheit über Konzeptionsarbeit

By |2019-04-24T12:44:08+00:00April. 24th. 2019|Strategie und Planung|

Konzeption kostet Kraft!

Kommunikationskonzeption ist kein Wohlfühlprogramm mit vielen Ideen auf bunten Post-it-Wolken und schnellen Instant-Strategien auf Canvas-Postern. So easy funktioniert Konzeptionsarbeit nicht! Stattdessen liegt der Schlüssel zum Erfolg wohl eher in der altmodischen Tugend der Disziplin. Konzeption braucht zuallererst Ausdauer und Sorgfalt.

Analyse: Komplexität reduzieren

Als Grundlage entwirft das Konzeptionsteam ein realistisches Bild der Ist-Situation. Fast immer sind die Verhältnisse facettenreich, verflochten, unübersichtlich, nicht selten sogar widersprüchlich. Wer Durchblick gewinnen will, muss zuerst die Komplexität erfassen, um sie dann Schritt für Schritt zu dekonstruieren. Je komplexer und komplizierter die Kommunikationskonstellation, desto einfacher sollte das Bild der Situation werden. Aber alles erscheint irgendwie wichtig, und aus Versehen einen entscheidenden Faktor rauszuschmeißen, könnte zum Absturz führen. Deshalb geht das Team mit großer Umsicht ans Weglassen und Vereinfachen.

Strategie: Entscheidungen treffen

Vor dem Hintergrund der Ist-Situation wird die zukünftige strategische Richtung skizziert. Dabei gewinnen fast immer mehrere Richtungen Kontur, nur welche ist die Richtige? Strategische Richtungsentscheidungen müssen ausdiskutiert, dürfen nicht durch Abkürzungen über faule Kompromisse wegmoderiert werden. Konsequente Entscheidungen kosten Zeit. Nicht selten bleibt das Team mittendrin hängen und diskutiert auf der Stelle. Dann heißt es, Ruhe bewahren, vertagen und einen zweiten Anlauf nehmen.

Kreation: Gute Ideen finden

Durchdachte Strategie allein wäre zu wenig, Kommunikation braucht passende kreative Ideen als Sinnesanker. Bloß keine zweitklassigen Ideen, denn die würden später unbemerkt im kommunikativen Grundrauschen verschwinden. Doch gute Einfälle gibt es nicht geschenkt. Die Teammitglieder bleiben beharrlich dran, kämpfen, und wenn´s nicht anders geht, knechten sich, bis der kreative Knoten platzt. Mit Spaß hat das alles nichts zu tun.

Realisierung: Auf Kurs bleiben

Das fertige Konzept ist Kompass für die operative Umsetzung. Es weist den zukünftigen Kurs, in der alle Kommunikationsaktivitäten steuern. Da die Realität bisweilen einen Strich durch einzelne Kurskoordinaten macht, wird jedes Konzept agil geplant, um es bei Bedarf nachsteuern zu können. Dabei darf man nie das große konzeptionelle Ziel aus den Augen verlieren, sich der Macht des Taktischen ergeben und nur noch auf Sicht steuern. Das Team widersetzt sich den immer stärker werdenden Fliehkräften und hält in der gesamten Umsetzungsperiode zielstrebig den großen konzeptionellen Kurs.

2 April 2019

Wissensvideo Positionierung

By |2019-04-02T14:22:23+00:00April. 2nd. 2019|Strategie und Planung|

Die Positionierung macht den Unterschied

Die Serie zum Buch

Im Sommer 2017 veröffentlichten Oliver Jorzik und ich unser Handbuch zur strategischen Kommunikationsplanung  Wirksame Kommunikation – mit Konzept. Damals nahmen wir uns vor, das Buch durch eine Serie von Wissensvideos zu ergänzen. Leichter geplant als getan! Erst im Sommer 2018 kam das erste Wissensvideo zur SWOT-Analyse heraus. Und jetzt ist endlich der zweite Videoclip fertig. Unser Thema ist die Kommunikationspositionierung.

Positionierung im Kopf der Zielgruppe

Die Positionierung kommt ursprünglich aus dem Marketing. Wir Kommunikationsleute haben uns lange schwer damit getan. Erst Anfang der 2000er Jahre hielt die Positionsbestimmung auf breiter Front Einzug in die strategische Kommunikationsplanung.

Während die Position im Marketing vorrangig in Relation zum Wettbewerb bestimmt wird, gehen wir in der Kommunikation von der richtigen Positionierung in den Köpfen unserer Zielgruppe aus. Wofür soll das Objekt der Kommunikation da oben im Kopf stehen? Welches Bild soll sich die Zielgruppe machen? Gefragt ist ein Bild, das nicht eines unter vielen, sondern einmalig unter vielen ist.

Positionierung auf den Punkt

Das knapp 10-minütige Wissensvideo stellt die wichtigen Werkzeuge und die richtige Vorgehensweise zur Entwicklung einer schlagkräftigen Positionierung vor, veranschaulicht das Vorgehen an einem konkreten Beispiel. Vor allem Einsteiger haben bei den ersten Positionierungsversuchen oft Probleme, die Position auf den Punkt zu bringen. Ihnen zeigt das Video den richtigen Weg.

Wer mehr zur Positionierung wissen will, den verweisen wir auf unser Handbuch, wo das Thema auf 21 Seiten gründlich und verständlich erklärt wird. Der Link zum Buch? Siehe in diesem Blog rechts oben.

25 Februar 2019

Kommunikation und Journalismus

By |2019-02-25T15:08:35+00:00Februar. 25th. 2019|Branche und Business|

Wissenschaftskommunikation – Versuch einer Abgrenzung

In den letzten Monaten brach in einschlägigen Social Media-Foren – zum Beispiel hier –   ein Kontroverse über die Frage los, ob Wissenschaftsjournalismus zur Wissenschaftskommunikation gehöre oder nicht. Da ich als strategischer Konzeptioner seid langen Jahren auf dem Feld der Wissenschaftskommunikation aktiv bin und zudem an einer Hochschule strategische Kommunikationsplanung unterrichte, fühle ich mich im Thema und kompetent genug, um meine Erfahrungswerte einzubringen. Ich stelle, weil es übersichtlicher ist, Wissenschaftsjournalismus (Zeitung, Fachmagazin, Radio, TV, Online) und  institutionelle Wissenschaftskommunikation (Hochschulen, Institute, Forschungsgemeinschaften)  gegenüber – und zwar nicht idealtypisch, sondern realtypisch, so wie ich es täglich erlebe.

Wissenschaftsjournalismus

Institutionelle  Wissenschaftskommunikation

Unabhängig, neutral, meist über den Interessen der Institutionen stehend Parteiisch, Sprachrohr der jeweiligen Institution und ihrer Wissenschaftler
Schnell, aktuell, kritisch berichtend Schnell, aktuell, positiv darstellend – und langfristig strategisch verankert.
News, Fakten und Bewertungen Information, Eigendarstellung, Image und Promotion
Journalisten, Publizisten als Berichterstatter Manager, PR-Experten als Berater/Lotsen

Wissenschaftler als Kommunikatoren

Möglichst unabhängig von Verleger/Geschäftsführung Mehr oder weniger von der Leitungsebene gesteuert
Alle Formen von Berichterstattung nutzend: Reportage, Essay, Interview, Kommentar etc. Alle Formen von integrierter Kommunikation nutzend: PR, Marketing, Veranstaltungen, Online, Social Media etc.

B

In meinen Kommunikationskonzepten für wissenschaftliche Institutionen lege ich Wert darauf, die Distanz zu den Wissenschaftsjournalisten zu wahren. Jeder Eindruck von Einflussnahme oder Kumpanei sollte vermieden werden. Die beliebten Medienpartnerschaften und ähnliches sehe ich eher zwiespältig und bevorzuge eine klare Gewaltenteilung. Die wissenschaftliche Institution ist die exekutive Gewalt, die Medien sind die darüber berichtende Gewalt und dazwischen gibt es Grenzen.

28 Januar 2019

Kommunikationsinstrumente erneuern

By |2019-01-28T09:19:30+00:00Januar. 28th. 2019|Instrumente und Maßnahmen|

Befreit euch vom Ballast!

Neue Ideen sind gefragt

Wenn ich von Unternehmen und Institutionen eingeladen werde, dann höre ich beim ersten Gespräch von meinen Gesprächspartnern oft die Forderung: „Herr Schmidbauer, wir brauchen dringend ein paar neue, kreative Maßnahmen!“

Ich nehme die Forderung zur Kenntnis, aber es wäre verkehrt, sich sofort auf die Entwicklung neuer Ideen zu stürzen. Zuerst empfiehlt sich ein Großreinemachen, denn in vielen Kommunikationsabteilungen hat sich jede Menge Ballast angesammelt, alte Mittel und Maßnahmen, die ihre besten Tage hinter sich haben, aber dennoch immer weiter zum Einsatz kommen.

Zuerst alte Maßnahmen überprüfen

Im Rahmen einer Analyse wird der Stamm der alteingesessenen Kommunikationsmaßnahmen auf den Prüfstand gestellt. Die entscheidende Prüfungsfrage lautet: Passt die jeweilige Maßnahme noch zur aktuellen Kommunikationsstrategie, kann sie auch in Zukunft einen wertvollen Beitrag zur Erreichung der Ziele leisten?

Lässt sich die Frage nicht glasklar mit Ja! beantworten, dann hat die Maßnahme im Instrumentenkasten der zukünftigen Kommunikation nichts zu suchen. Sie wird entweder im Sinne der Strategie umgerüstet oder komplett ausmustert.

Ein permanenter Erneuerungsprozess

Selten, dass es bei einem Auftraggeber keinen Ballast gibt. Bei den meisten fällt sogar eine beachtliche Zahl von Maßnahmen durch.

Aber komisch, sobald es ans Ausmustern geht, beginnt ein lautes Klagen: „Das gedruckte Konzern-Annual veröffentlichen wir seit fast 30 Jahren, es ist bei unseren langjährigen Mitarbeitern unheimlich beliebt!“ – „Sind die Kollegen unsere Kernzielgruppe?“ – „Nein, aber…“ 

Ein zähes Ringen beginnt. Die Beteiligten können sich nur schwer von ihren gewohnten und liebgewonnenen Kommunikationsmaßnahmen trennen, sie leisten Widerstand. Aber es muss sein! Kommunikation ist so schlank und diszipliniert wie möglich zu konzipieren, um die vorgegebenen Ziele zu erreichen.

Erst nachdem der Ballast entfernt und das Stamminstrumentarium sauber auf die Kommunikationsziele ausgerichtet wurde, geht es ans Brainstorming für die neuen Maßnahmen. Auch hier gilt das Dogma: Nur die Ideen, die im Sinne der Kommunikationsstrategie agieren, bekommen einen Stammplatz im Instrumentarium.  

27 Dezember 2018

Information oder Werbung?

By |2018-12-27T12:47:45+00:00Dezember. 27th. 2018|Strategie und Planung|

Was ist Information? Was ist Werbung?

Information oder Werbung

Im letzten Workshop vor Weihnachten baten mich die Teilnehmer*innen, den Unterschied zwischen Information und Werbung zu erklären. Die beiden Formen der Kommunikation lassen sich klar voneinander abgrenzen:

  • Information ist faktenbasierte neutrale Kommunikation mit dem Ziel, den Adressaten eine bestimmte Tatsache verständlich zu machen.
  • Werbung ist emotionsbasierte subjektive Kommunikation, die persuasive Hebel ansetzt, um eine bestimmte Haltung oder Handlung bei den Adressaten auszulösen.

Sachlich oder persuasiv

Nehmen wir zum Beispiel die Aussage: „Unser Outlet-Store liegt am Stadtrand“. Das ist eine reine Information. Und so wird daraus Werbung: „Unser Outlet-Store ist die beste Shopping-Adresse außerhalb der City.“

Ein zweites Beispiel für Information: „Der neue Bürgerservice steht mobil über IOS- und Android-Smartphone zur Verfügung.“  Werbung wäre dagegen die Aussage: „Nutzen Sie den neuen Bürgerservice – bequem und schnell mit Ihrem Smartphone!“

Zwar stecken auch in der Werbung informative Elemente, aber sie werden stets mit emotionellen Anreizen verbunden. Werbung stimuliert die Sinne, um die Adressaten für sich zu gewinnen.

Werbliche Techniken

Um den nötigen Anreiz zu erzeugen, setzen die Werbetexter vielfältig Techniken ein – besonders gebräuchlich sind:

  • Verstärkende Adjektive/Attribute einbauen – Ein Ferienhotel bezeichnet sich als „herrlich sommerfrisches Ferienhotel“.
  • Adressaten ansprechen und herausheben – Ein normaler Bleistift wird in der Werbung zu „Your Personal Pencil“.
  • Vorbild-/Nachahmer-Effekte nutzen – Ein Nachtclub nennt sich „der Club mit der höchsten Promi-Dichte in Berlin“.
  • Mit Sinnbildern arbeiten – Ein Schreibtisch mutiert in der Werbung zum „Karriere-Cockpit“.
  • Superlative beanspruchen – Ein Spielfilm wird als „knallhärtester Film aller Zeiten“ angekündigt.

Der werbliche Anreiz kann im Einzelfall auch negativ gepolt sein. Zum Beispiel lautet die sachliche Information: „Überhöhte Geschwindigkeit ist laut Statistik die Hauptursache für tödliche Unfälle auf Deutschlands Autobahnen“. Die Werbung macht daraus: „Raser sind die Killer Nr. 1 auf Deutschlands Autobahnen.“ Werbeziel ist ein hoher Abschreckungseffekt, möglichst viele Autofahrer sollen den Bleifuß vom Gas nehmen.

Collage aus Bildern von pixabay.com

17 Dezember 2018

Konzeptpräsentation

By |2018-12-17T09:54:14+00:00Dezember. 17th. 2018|Pitch und Präsentation|

Schlechte Präsentation versenkt Konzeption

Doch, doch, auf jeden Fall lohnt es sich, ein Kommunikationskonzept mündlich zu präsentieren. Durch einen guten Live-Vortrag gelingt es, die nötige emotionale Begeisterung für ein Konzept zu erzeugen. Ein schriftliches Papier kann das nicht leisten.

Es lohnt sich zudem, die eigene Konzeptpräsentation visuell zu unterstützen – z. B. mit Keynote, PowerPoint oder Prezi. Der Unterstützungseffekt kommt aber nur zustande, wenn die Präsentationsfolien gekonnt gestaltet sind. Ansonsten werden Folien eher zu Ballast, der alles runterzieht. Und genau hier liegt das Problem! Denn in zu vielen Präsentationen werden Folien an die Wand geworfen, die zum Fürchten sind.

Eigentlich ist Foliengestaltung keine Kunst, man muss nur wenige einfache Regeln beachten:

  • Folien ohne Formalia–Angaben wie Datum, verantwortliche Abteilung, Name des Konzepts, Name des Autors, Copyright oder Foliennummer haben auf einer Folie nichts zu suchen. Selbst das Logo des Absenders muss nicht unbedingt auf jeder Folie prangen. Weg mit dem formalistischen Fliegendreck auf Folien der mündlichen Präsentation!
  • Folien ohne Prosa– Ausformulierte Texte und komplette Sätze auf Folien sind tabu. Folientext besteht aus markanten Schlagworten, die für die Zuschauer blitzschnell zu erfassen sind.
  • Folien ohne Überfluss– Folien dürfen nicht mit Bild und Text-Informationen von oben bis unten zugepackt werden. Eine gute Folie beherrscht die Kunst der Reduktion und wirkt souverän.
  • Folien ohne Zierrat– Starke, aussagekräftige Bilder helfen der Präsentation. Andererseits haben generische, bunte Zierfotos und klischeehafte Cliparts in einer Konzeptpräsentation nichts zu suchen. Schmückendes Beiwerk gehört in den Papierkorb.
  • Folien ohne Mischmasch – Folien werden einheitlich in Schrift, Farbe und Form gestaltet. Alles aus einem Guss. Wer in der Form bunt mischt, gefährdet die klare inhaltliche Linie des Konzepts.

Des Öfteren höre ich von Konzeptionsteams die Aussage: „Die Form ist nicht so wichtig, Hauptsache die konzeptionellen Inhalte stimmen.“ Von wegen! Eine schlechte Form killt den Inhalt, und zwar gnadenlos.

26 November 2018

Nachgefragt: Nachbriefing

By |2018-11-26T09:46:21+00:00November. 26th. 2018|Briefing und Analyse|

Was ist ein Nachbriefing?

Erst Briefing dann Nachbriefing

Ganz am Anfang der Kommunikationskonzeption steht das Briefing durch den Auftraggeber. So nennt man in der Branche die gezielte Instruktion des Konzeptionsteams. Das Team wird „auf Schiene gesetzt“.

Später im Laufe der Konzeptionsentwicklung kann es ein Nachbriefing geben. Das Team steckt mitten in der Analyse oder hat bereits wesentliche Schritte der Strategie erarbeitet und plötzlich geht ein Anruf vom Auftraggeber ein: „Tut mir leid, aber wir müssen Sie umgehend nachbriefen!“

Nachbriefing aktualisiert

In manchen Fällen sind lediglich wertvolle zusätzliche Informationen zusammengekommen, die dem Team vermittelt werden, um es auf der vorgegebenen Schiene noch sicherer zu machen. Inhaltlich bleibt alles beim Alten. In dem Fall ist keine Panik angesagt.

Anders liegt der Fall, wenn sich zwischenzeitlich wesentliche Faktoren des Konzepts verändern. Der Auftraggeber ruft an und verkündet: „Unser Vorstand hat sich überraschend entschlossen, das Sortiment zu straffen. Das verändert Ihre Aufgabenstellung erheblich.“ Diese Nachricht hört kein Konzeptionsteam gern, denn es bedeutet, dass die vorangegangene Arbeit in Teilen oder komplett Makulatur ist und man möglicherweise wieder von vorne anfängt. Doch es gibt keine Ausweichmöglichkeit, denn ein Konzept muss stets auf der Höhe der Zeit sein und sich aktuellen Entwicklungen anpassen.

Nachbriefing korrigiert

Noch unbeliebter ist eine andere Variante des Nachbriefings. Das Konzept ist fertiggestellt und wird dem Auftraggeber vorgestellt. Doch der schaut hinterher überhaupt nicht glücklich drein und ist der Meinung, das Team läge ziemlich daneben. Im BGB-Deutsch: Die Leistung wurde nicht erbracht. In dem Fall verkündet der Auftraggeber: „Ich schaue mir Ihr Konzept in Ruhe an. Nächste Woche setzen wir uns zum Nachbriefing zusammen und ich sage ihnen, wo es hakt.“   In diesem Fall bedeutet Nachbriefing nachsitzen und nachbessern.