17 Juli 2006

Typischer Powerpoint-Fehler: Textwüste

By | 2017-04-24T10:19:49+00:00 Juli. 17th. 2006|Pitch und Präsentation|

PowerPoint overloaded

Heute im Rehearsal (Branchenjargon für Präsentationsprobe) wurde wieder kräftig über Powerpoint geschimpft. Powerpoint sei Blei für eine gelungene Präsentation. – Nun mal halblang! Wenn Präsentationen zu Monstern mutieren, dann ist meist nicht die Software daran schuld, sondern die Leute, die nicht mit Powerpoint umgehen können.

   

Ich will ein Beispiel geben. Sie sehen ein Chart (Branchenjargon für Präsentationsfolie) aus einer jüngst vergeigten Präsentation. Was sehen Sie?

    

      

Genau, eine Textwüste! Stellen Sie sich vor: Eine Powerpointpräsentation ist quasi ein Schiff. Es kommt darauf an, was Sie daraus machen. Sie können einen schlanken Kommunikations-Katamaran bauen, der herrlich schnittig im Wind liegt. Sie können Ihr Schiff aber auch mit Fakten und Formulierungen überladen. So wird es immer schwerfälliger und plumper und irgendwann ist das Limit erreicht und Sie saufen mit Ihrer Präsentation ganz einfach ab.

    

Selbstredend hat jeder Vortragende gewichtige Gründe für die Fettleibigkeit seiner Präsentationscharts.

O-Ton: „In meiner Präsentation sitzt nur ein Teil der Entscheider. Die anderen sehen hinterher nur das Handout (Branchenjargon für die gedruckte Version der Präsentationscharts). Damit die auch begreifen, wie das Konzept läuft, habe ich die Charts sozusagen selbsterklärend ausgetextet.“

Schmidbauer rät:  Besser Sie machen zwei Powerpoint-Versionen! Die ausführliche Version für das Handout ist in ganzen Sätzen formuliert. Die Version für die Präsentation bauen Sie kurz und knackig.

   

O-Ton: „Ich hab´ immer so viel auf meinen Charts stehen, damit ich die gleich als Stichworte für meine Präsentation nehmen und mich daran entlang hangeln kann.“

Schmidbauer rät: Machen Sie sich Stichwortkärtchen oder Zettel, aber nutzen Sie nie die Charts als Stichwortgeber. Nicht nur, weil es verdammt öde wird, wenn Wort und Chart das Gleiche sagen. Sondern auch weil die Gefahr groß ist, dass Sie – von Ihren projizierten Stichworten angezogen – während der Präsentation mit dem Rücken zum Zuhörer vortragen.

   

O-Ton: „Ich mache immer so ausführliche Charts. Denn in der Präsentation lese ich die Charts einfach nur noch ab. Das ist eine todsichere Sache!“

Schmidbauer rät: Durch das sture Ablesen wirkt Ihre Präsentation ganz sicher tot. Sie sind doch kein Nachrichtensprecher, sondern Konzeptioner! Sie wirken wesentlich souveräner und kompetenter, wenn Sie die Powerpointprojektion nicht mit einem Teleprompter verwechseln.

   

O-Ton: „In meinem Konzept stecken so viele spannende Feinheiten. Da konnte ich einfach nichts weglassen!“

Schmidbauer rät: Das Weglassen ist mit die wichtigste Technik einer guten Präsentation. Die müssen Sie lernen und beherrschen, wenn Sie regelmäßig präsentieren. Der Zuhörer kann nämlich nur einen Bruchteil dessen aufnehmen, was Sie als Redner über ihn ausgießen können. Wenn es zuviel wird, verliert der Zuhörer die Übersicht und Sie sein Vertrauen.

   

O-Ton: „Ich habe sowenig Präsentationszeit, da kann ich nicht alles sagen. Deshalb habe ich alles, was ich nicht sagen kann, mit auf meine Charts gepackt. Dann können es die Leute wenigstens lesen.“

Schmidbauer rät: Sind die Charts mit Fakten überladen, dann ist der Zuhörer hin und her gerissen. Soll er Ihnen zuhören? Soll er die Charts lesen? Die Präsentation wird zur Zerreißprobe – die Sie verlieren. Überfrachten Sie Ihre Präsentation nicht. Wenn Sie interessante zusätzliche Details haben, dann teilen Sie sie als gedrucktes Hintergrundmaterial aus – aber bitte erst nach Ihrem Präsentationsvortrag.

1 Dezember 2005

Elevator Pitch

By | 2017-04-25T10:35:08+00:00 Dezember. 1st. 2005|Pitch und Präsentation|

Fahrstuhl zur Erkenntnis

Seit geraumer Zeit nutze ich bei der Konzeptentwicklung den „Elevator Pitch“. Schon wieder so ein Fremdwort? Tut mir leid, aber die Branche ist nun mal hoffnungslos anglophil.

Der „Elevator Pitch“ ist eine superkurze Mini-Präsentation. 30 bis 40 Sekunden – dann ist alles gesagt. „Elevator Pitch“ heißt es, weil die ideale Kulisse für eine solche Präsentation der Fahrstuhl ist. Der Chef steigt ein, will dringend wissen wie der konzeptionelle Stand der Dinge aussieht. Man hat genau 35 Sekunden Zeit um Überzeugungsarbeit zu leisten, bis sich in der Chefetage im 9 3/4 Stock die Fahrstuhltür wieder öffnet.

Jedes Kommunikationskonzept braucht eine Strategie als Grundkonstruktion. Und jede Strategie sollte so einfach wie irgend möglich sein. Je komplizierter das Kommunikationsproblem, desto einfacher muss die strategische Problemlösung werden. Folglich muss eigentlich jede gute Strategie in das Zeitfenster einer Fahrstuhlfahrt passen.

Um mich zur konzeptionellen Klarheit zu erziehen, mache ich deshalb zum Abschluss der strategischen Arbeit nicht immer, aber immer öfter einen „Elevator Pitch“. Irgendwer aus meinem jeweiligen Projektteam muss seine Ohren spitzen und ich bringe in 30 Sekunden meine Strategie auf den Punkt. Hat mein Zuhörer verstanden und signalisiert Zustimmung, dann ist alles okay. Bekomme ich ein Kopfschütteln oder einen verständnislosen Blick, dann heißt es häufig: zurück in die Strategie und einige Kanten nachfeilen oder sogar die Eckpfeiler neu konstruieren.

2 November 2005

Kommunikationskonzepte ohne Honorar

By | 2017-04-26T10:37:41+00:00 November. 2nd. 2005|Pitch und Präsentation|

Konzepte, die nichts kosten

Vor mir liegt eine neue Ausschreibung. 5 Agenturen werden zum branchenüblichen Pitch (=Wettbewerb) eingeladen. Der beiliegende Briefingtext hat Lücken, ist aber durchaus brauchbar. Was mir sauer aufstößt, ist der letzte Satz: „ Ein Ausfallhonorar für die unterlegenen Agenturen wird nicht gezahlt.“

Leider ist es seit eigenen Jahren üblich geworden, dass Agenturen Konzepte entwickeln und gegeneinander antreten, ohne dafür einen Cent zu bekommen. Die Agenturteams haben tagelang, teilweise wochenlang hart an Konzept, Kreation & Kalkulation geschuftet (Ich weiß, wovon ich rede!). Und der Auftraggeber bekommt alles umsonst. Mir tut das weh. Das Konzept ist schließlich das Herzstück der gesamten Kommunikation. Wie kann man das einfach verschenken?

Eigentlich sollte keine Agentur ohne Ausfallhonorar antreten. Offiziell weisen auch alle Agenturen Gratis-Konzepte vehement von sich. In den Fachzeitschriften und auf den Kongressen der Branche empören sie sich über den Verfall. Aber! Aber sobald der Etat groß genug ist, der Job prickelt oder der Auftraggeber sich gut auf der Referenzliste machen würde, wirft man sofort alle Moral über Bord. War da was?

Auf Kundenseite nutzt man diese notorische Prinzipienschwäche der Agenturen natürlich weidlich aus. Ich schätze, dass weit über die Hälfte aller Wettbewerbspräsentationen ohne Ausfallhonorare laufen. Mancher Auftraggeber verkündet ganz offen, dass er nicht bereit sei zu zahlen. Andere verklausulieren diese Tatsache. Häufig liest man dann: „Erwarten wir kein Konzept, sondern lediglich ein Angebot.“ – Nur sage mir einer, wie ich ein Angebot für eine Kommunikationskampagne erstellen soll, ohne ein Konzept zu haben? – Sehr beliebt ist auch die Formulierung: „Erwarten wir nur einen kurzen konzeptionellen Aufriss. Kreative Ideen und Gestaltungsvorschläge sind nicht erforderlich.“ Jede Agentur weiß in diesem Fall, dass sie nur eine Chance hat, wenn sie konzeptionell ausführlicher wird, ein paar gute Ideen einbaut und diese visualisiert. Wer einen Pitch gewinnen will, der darf keine halben Sachen machen!!!

Im letzten Sommer war ich an einer Ausschreibung beteiligt, die lief wie so oft für lau – in doppelter Hinsicht. Es wurde kein Ausfallhonorar bezahlt – und einige Tage nach der Präsentation rief der Auftraggeber an und verkündete: „Leider, leider hat uns keines der eingereichten Konzepte gefallen. Wir haben uns deshalb entschlossen, die gesamte Kampagne in Eigenregie zu organisieren.“

25 Oktober 2005

Kommunikationskonzept

By | 2017-04-26T10:42:08+00:00 Oktober. 25th. 2005|Pitch und Präsentation|

Konzepte nicht in Schriftform

Ein Marathon liegt hinter mir. In den letzten 2 Tagen habe ich insgesamt 37 Seiten Konzept zu Papier gebracht. Danach fühle ich mich jedes Mal völlig ausgepumpt und leer – so als hätte ich einen ganzen Tag schwerste körperliche Arbeit hinter mir.

Über 40 Konzepte sind in 2005 schon entstanden. Allerdings muss ich zugeben, dass vorliegendes Konzept erst das Vierte in diesem Jahr ist, das ich komplett als Text ausformuliere. Die große Mehrzahl entsteht nur noch als Präsentation in Powerpoint. Mehr wäre meinen gestressten Kunden zuviel. Lange Textabhandlungen wollen sie nicht lesen. Meine Konzeptpräsentationen in Powerpoint werden zumeist einfach ausgedruckt und den Kunden als so genannte „Hand-outs“ an die Hand gegeben.

Vor einigen Jahren war das noch völlig anders. Da musste jedes Konzept ausführlich zu Papier gebracht werden. Da habe ich Jahr für Jahr den Umfang eines Telefonbuchs zusammengetippt. Meine treuer Computer und ich konnten uns manchmal wochenlang nicht voneinander trennen. Aber wie gesagt, das ist vorbei.

Zugegeben, der Siegeszug von Powerpoint erleichtert mir die konzeptionelle Arbeit erheblich. Ich kann jetzt mehr Kraft in die konzeptionellen Inhalte stecken. Es gibt aber durchaus auch einige Nachteile. Beispielsweise sind meine Präsentationen heutzutage ziemlich mit Text überladen, weil ich die einzelnen Folien zwangsweise so aufbaue, dass sie ohne Vortrag nur beim Lesen verständlich werden. Bei der eigentlichen Präsentation werden dann solche textreichen Folien schnell zum Störfaktor. Sie lenken vom Präsentationsvortrag ab.

Sofern mein Auftraggeber nicht noch größere Korrekturen hat, fange ich gleich morgen früh mit der nächsten Konzeption an. Ein abrupter Szenenwechsel steht an. Von der Zielgruppe „Reiche in Deutschland“ mache ich einen rasanten Sprung zu „Studenten in Sachsen-Anhalt“.

2 August 2005

Entwicklungszeit für Konzepte

By | 2017-04-27T08:41:38+00:00 August. 2nd. 2005|Pitch und Präsentation|

Turbo-Konzepte im Trend

Wie geht es dir, liebes Internet?

Ich wollte dir von einer Ausschreibung berichten, die heute auf meinem Schreibtisch gelandet ist. Im Geschäft der Werbe- und PR-Agenturen sind Kampagnenausschreibungen das tägliche Brot. Es wird ein Wettbewerb – auch „Pitch“ genannt – ausgeschrieben, beim dem dann mehrere Agenturen gegeneinander antreten. Nur eine kann gewinnen. Ich bin immer gerne dabei, denn Wettbewerbe sind ungemein belebende Adrenalinkuren.

Nur leider hat in letzter Zeit eine neumodische Unsitte um sich gegriffen. Die potentiellen Auftraggeber meinen, dass meine Kampagnenkonzepte Instant-Produkte ähnlich wie 5-Minuten-Terrinen seien. Ein Mal umrühren und fertig. Das bedeutet, die zu Verfügung stehende Zeit für Analyse, Strategie und Maßnahmenplanung wird immer knapper und knapper bemessen. Es gab mal Zeiten, da hatte ich im Schnitt 2 – 3 Monate Reifezeit für ein Konzept. Heute bin ich zufrieden, wenn 2 – 3 Wochen Spanne bleiben.

Im vor mir liegenden Fall lässt eine bekannte Institution – ich kann ihren Namen nicht nennen, aber du würdest sie kennen – den Kommunikationsetat für eine neue Initiative ausschreiben, die über mehrere Jahre laufen soll. Vom Eintreffen der Briefingunterlagen bis zum fixen Abgabetermin des Konzepts sind genau 6 Werktage Zeit. Kannst du dir ausmalen, was das bedeutet? Es wird mal wieder  – zum Leidwesen meiner Familie – das gesamte nächste Wochenende dabei drauf gehen.