9 Juli 2010

Präsentation und Pitch

By | 2017-04-16T13:59:45+00:00 Juli. 9th. 2010|Pitch und Präsentation|

So killt man ein Konzept

Mal angenommen, demnächst stehen in Ihrer Firma Wettbewerbspräsentationen für eine neue Kampagne an. Sie sollen zusammen mit einigen Kollegen die Auswahl treffen. Unter anderem präsentiert auch dieser Konzeptioner Schmidbauer. Keine Ahnung, wie der in den Wettbewerb gekommen ist, Sie wollen aber auf jeden Fall verhindern, dass sein Konzept gewinnt. Was tun?

Verlassen Sie sich nicht drauf, dass Schmidbauer ein lausiges Konzept abliefert oder schlecht präsentiert. Der ist seit Jahren dabei und sattelfest. Besser Sie suchen die Entscheidung in der Fragerunde, die sich an die Präsentation anschließt. Wenn Sie hier an zwei, drei kritischen Punkten geschickt nachhaken, stehen die Chancen gut, dass der Konzeptioner ins Stolpern gerät und einen unsicheren Eindruck hinterlässt.

Ihre Fragen dürfen sich nicht auf das heimische Terrain des Konzeptioners konzentrieren. Mit Fragen zur Zielgruppendefinition, zur Positionierung oder zur Umsetzungsstrategie wäre Schmidbauer wohl kaum aus dem Gleichgewicht zu bringen. Auf diesem Feld ist er zu Hause und findet sich blind zurecht.

Nein, Sie müssen ihn auf fremdes, unbekanntes Gebiet locken, dort an konkreten Punkten festnageln und zappeln lassen. Dazu wählen Sie genau die Gegenden aus, die Ihnen und Ihren Kollegen bestens vertraut sind. Und hier wiederum konzentrieren Sie sich auf Punkte, die vermint sind. Sie kennen Lage und Sprengkraft der Minen, Schmidbauer ist weitgehend ahnungslos.

Beispielsweise könnten die schwierigen Wettbewerbsverhältnisse Ihrer Firma vermint sein. Sie fragen also nach: „Herr Schmidbauer, Sie schlagen vor, dass wir eine multimediale Präsentation entwickeln und auf  der nächsten Verbandstagung in Szene setzen. Wie muß ich mir diese Präsentation vorstellen?“ –  Was nur Brancheninsider wissen, ist, dass die Konkurrenz besagte Branchentagung fest im Griff hat und eine Präsentation schnell nach hinten losgehen könnte.

Auch im eigenen Unternehmen gibt es verminte Zonen. Sie locken Schmidbauer aus der Reserve: „Sehr interessant finde ich Ihren Kniff, unseren CEO stärker in die interne Kommunikation einzubinden. Mir ist der Vertrieb besonders wichtig. Wie könnte die Einbindung dort aussehen?“ – Was nur Firmeninsider wissen, ist, dass die Vertriebsmannschaft zurzeit schlecht auf den Chef zu sprechen ist und sich jeder Kontakt zur Konfrontation auswachsen könnte.

Drittes Beispiel. Vielleicht finden sich Minen im Produktportfolio. Falls ja, haken Sie punktgenau nach: „Unter Ihrer Idee mit dem Storytelling kann ich mir wenig vorstellen. Wir hatten Ihnen im Briefing die Broschüre zum amorphen Dämpfungssystem ans Herz gelegt. Wie ließe sich eine Geschichte rund um dieses Produkt entwickeln?“ – Nur Produktinsider wie Sie und ihre Kollegen wissen, dass schon mehrere freie Texter an den vertrackten Details des Systems gescheitert sind. Schmidbauer hat zwar die Broschüre gelesen und eine ungefähre Vorstellung, aber von den Tücken ahnt er nichts. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass er mit seiner Antwort vom Weg abkommt und auf eine Mine tritt. Wohlmöglich müssen Sie mit weiteren Fragen nachsetzen, aber das dürfte kein Problem sein, schließlich fragen Sie auf vertrautem Terrain und sind Ihrem Gegenüber haushoch überlegen.

Nach den Präsentationen bewerten Sie im Kollegenkreis die Konzepte. Wenn die Rede auf Schmidbauer kommt, dann loben Sie, dass sein Konzept gut vorgetragen wurde und durchdacht wirkte. Aber… Pause… sobald Schmidbauer in der anschließenden Fragerunde konkreter wurde, drängte sich der Eindruck auf, dass er nur spärliches Verständnis für  Branche, Firma und Produkte mitbringt.  Sollte man sich für sein Konzept entscheiden, wäre Ärger in der Umsetzung schon vorprogrammiert.

23 März 2010

Präsentation mit Prezi

By | 2017-04-16T14:09:31+00:00 März. 23rd. 2010|Pitch und Präsentation|

Jenseits von PowerPoint

Lang, lang ist es her. 1993 bin ich von Harvard Graphics auf Powerpoint umgestiegen. Und seitdem besteht meine Präsentationswelt nur noch aus Powerpoint-Folien.

Deshalb war es für mich ein echtes Aha-Erlebnis, als neulich Abend eine meiner Studentengruppen nicht mit der unvermeidlichen Powerpoint-Präse auflief, sondern eine Präsentationssoftware der etwas anderen Art an die Wand projizierte.  Nein, ich meine nicht Apples Keynote, denn das ist letztendlich auch nur Powerpoint für Schöngeister. Ich meine eine Präsentationssoftware mit dem putzigen Namen „Prezi“.  Sofort beim Start der Präsentation erwachte das Publikum aus der üblichen Powerpoint-Lethargie und schaute genauer hin. Es war in der Tat ein neues, ungewohntes Präsentationserlebnis, denn die Prezi-Leute haben das Medium der Präsentation ganz neu gedacht. Bei Powerpoint klicke ich linear Folie für Folie durch – wie früher beim Diaabend. Prezi dagegen arbeitet mehr mit filmischen Mitteln.

Wie soll ich das erklären? Ich stelle mir ein großes Pinboard in einer Agentur vor, so groß, dass es über die ganze Wand geht. Alle Überschriften, Fakten, Schaubilder, Fotos und Videos, die ich präsentieren will, sind gut strukturiert an diese Wand gepinnt. Mit der imaginären Kamera fahre ich ohne Schnitt die gesamte Wand ab, halte an jedem Informationspunkt an, zoome näher heran, drehe den Ausschnitt, zoome wieder weg und schwenke weiter und weiter und weiter. Die Präsentation läuft so wesentlich dynamischer, eleganter und fließender. (Allerdings sind auch die Anforderungen für den Präsentator höher. Sein Vortrag muss quasi mitfließen, sonst entstehen Dissonanzen zwischen Wort und Bild.)

An besagtem Abend fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Es gibt ein Leben jenseits von Powerpoint! Wer sich selbst ein Bild machen will, hier ist der Link: www.prezi.de

22 August 2009

PowerPoint leicht gemacht

By | 2017-04-16T14:24:43+00:00 August. 22nd. 2009|Pitch und Präsentation|

Mehr Freiheit für Folien!

Jede Agentur, die auf sich hält, hat heutzutage ihre Powerpoint-Masterfolie als feste Vorlage. Alle Präsentationen basieren auf dieser Folie und bekommen ein einheitliches Design. Typische Masterfolien sehen wie im Beispiel unten aus. Ich habe das Beispiel mit einer fiktiven Agentur nachgebaut, um Ärger zu vermeiden. Da sind alle Zutaten drin, die eine Masterfolie braucht. So oder ähnlich wird die Folie auch in Fachbüchern und Weiterbildungskursen als Muster an die Wand geworfen. Ich bin so frei und sage: Murx! So sehen Masterfolien aus, die den Nutzer zum Sklaven machen.

Nach solch groben Anschuldigungen bin ich natürlich verpflichtet, den Beweis anzutreten. Meine Beweisführung geht vom Grundprinzip jeder guten Präsentation aus: Die Folie ist der Freiraum für die Entfaltung der Inhalte! Die Foliengrundgestaltung muss alles tun, um diesen Freiraum zu erhalten. Die Masterform darf die Inhalte keinesfalls drangsalieren. Aber genau das passiert bei obigem Master.  Ich gehe mal der Reihe nach die relevanten Elemente durch:

·         Das Agenturlogo gehört nicht auf jede Folie. Ich weiß, dass jetzt viele Corporate-Identity-Apologeten laut aufschreien. Dennoch wiederhole ich: Das Logo gehört nicht als Konstante auf jede Präsentationsfolie. Das Logo nimmt nur Platz weg, überstrahlt mit seiner Designpräsenz die Inhalte und verkommt durch die ständige Wiederholung zum Imponiergehabe. Es reicht völlig aus, wenn die Titelfolie der Präsentation das Logo groß herausstellt und wenn sich die Agentur zu Präsentationsbeginn mit markanten Worten kurz vorstellt. Dann sind die Zuschauer voll im Bilde und gespannt auf die Inhalte.

·         Nicht den Präsentationstitel auf jeder Folie wiederholen. Wie auf der Beispielfolie oben links. Zum einen nimmt der Titel wieder nur unnötig Platz weg. Zum anderen ist jedes Wort weniger auf der Folie einfach mehr.

·         Kein Copyrighthinweis auf jede Folie. Diese Unsitte greift in letzter Zeit um sich. Liebe Präsentatoren, es reicht, wenn ihr dezent auf der ersten oder letzten Folie einen solchen Hinweis unterbringt. Aber eine ständige Wiederholung während der gesamten Präsentation wirkt kleinkariert und „würdelos“ wie diese paranoiden „Raubkopierer sind Verbrecher“-Drohgebärden, die man als Käufer einer DVD vor jedem Spielfilm über sich ergehen lassen muss.

·         Keine Foliennummer und kein Datum auf den Folien. Wozu auch? Den Zuschauer interessiert die Nummerierung nicht die Bohne. Der Referent hat in Powerpoint sowieso die Referentenansicht eingestellt und bekommt auf seinem Notebook die jeweilige Foliennummer gut sichtbar eingespielt. Für die Printversion ist die Nummer nützlich? Ja, aber Powerpoint ist durchaus in der Lage, die Foliennummern mitzudrucken, ohne sie in der Präsentation zu zeigen. Das gilt übrigens auch für das Datum. Auch das lässt sich in den Ausdruck einspielen, ohne es in der Präsentation zu zeigen.

·         Keine raumgreifenden Tabuzonen. Etwa 40% des obigen Folienraums sind für die Inhalte tabu. Der Raum wird durch überflüssige Formalismen oder Zierelemente belegt. Besonders störend ist die raumgreifende Graufläche auf der linken Seite. Es ist schon richtig, man sollte auf Folien nicht alles vollknallen und Freiraum lassen. Im vorliegenden Beispiel wird der graue Freiraum jedoch vom Master als Niemandsland für alle Folien und Präsentationen diktatorisch festgelegt. Die Inhalte sind auf Dauer ausgesperrt und an der freien Entfaltung gehindert.

Alle beschriebenen Elemente treiben die Inhalte in die Enge und lenken vom Wesentlichen ab. Man stelle sich ein Theater vor, bei dem der Vorhang aufgeht und ein ergreifendes Drama beginnt – nur, was ist das? Da hängt oben in der Kulisse das imposante Logo des Theaters. Daneben ist in großen Lettern die ganze Zeit der komplette Titel des Dramas zu lesen. Unten direkt vor den Schauspielern zeigt eine große Digitaluhr durchgehend das Datum und die aktuelle Spielzeit an. Außerdem ist immer im Blick, in welchem Akt sich die Zuschauer gerade befinden. Und nebenan verkündet ein gut sichtbares Warnschild, dass die Inhalte der gerade laufenden Handlung urheberrechtlich geschützt sind. So würde jedes Drama zur Posse!

Noch einmal: Ja, ich weiß, dass heutzutage die meisten Masterfolien so wie oben aussehen. Aber weil es alle machen, muss es noch lange nicht richtig sein. Deshalb starte ich einen Aufruf: Entschlackt eure Masterfolien! Freiheit für die Inhalte!

15 August 2009

Loosing the Pitch!

By | 2017-04-16T14:42:50+00:00 August. 15th. 2009|Pitch und Präsentation|

Der ewige Zweite

Gestern fiel die Pitch-Entscheidung. Ich (bzw. die Agentur, für die ich im Einsatz war) bin wieder mal nur Zweiter geworden. Das darf doch alles nicht wahr sein, ich hatte nach der Präsentation so ein gutes Gefühl! Aber Fakt ist, dass den Etat ein Mitbewerber geholt hat. Jetzt bloß keinen Frust schieben. Nach dem Pitch ist vor dem Pitch, die nächste Wettbewerbspräsentation habe ich schon in Arbeit.
Eins macht mich allerdings stutzig: Ich ging in den letzten Jahren bei ungefähr jedem zweiten verlorenen Pitch nach Auskunft des Auftraggebers als Zweiter durchs Ziel. Bin ich nicht gut genug? Klebt an mir das verdammte Pitch-Pech? Nein, das kann ich mir nicht vorstellen. Stattdessen keimt ein anderer Verdacht auf. Ich schätze, Auftraggeber trösten die Verlierer vorzugsweise mit „Sie sind ehrenvoller Zweiter geworden“, „Es war ein Kopf-an-Kopf-Rennen“ und „Sie haben gute Arbeit geleistet und es fehlte nicht viel“. Aber das ist alles nur Taktik! Alles nur Psychologie! So versüßen sie die bittere Medizin, damit man die Niederlage besser schluckt.  Der Frust wird gedämpft und dem Verlierer fällt es schwerer, kritisch nachzufragen oder wohlmöglich sogar seinem Ärger Luft zu machen.

 

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30 September 2008

Neue Art der Präsentation

By | 2017-04-19T14:24:54+00:00 September. 30th. 2008|Pitch und Präsentation|

 Pecha Kucha

Pecha Kucha  ist  Kult. Pecha Kucha ist die etwas andere Präsentationsform speziell für Kreative. Aber auch Konzeptioner können sie einsetzen.

Das Pecha Kucha-Format lässt sich schnell erklären. 20 Powerpoint-Charts kommen zum Einsatz. Inhalte und Reihenfolge der Charts bestimmt der Präsentator. Fest steht, dass die Charts im 20-Sekunden-Takt automatisch hintereinander ablaufen. Pecha Kucha-Präsentationen sind also auf die Sekunde exakt 6 Minuten lang.

Dieser Tage habe ich das Präsentationsformat mit den Teilnehmern eines Konzeptionsworkshops ausgetestet. Das Format ist erbarmungslos. Wer sein Konzept nicht gründlich durchdenkt und auf das Wesentliche reduziert, der gerät schon nach wenigen Charts ins Schleudern und wird aus dem Zusammenhang getragen. Umständlichkeiten und Unschärfen lassen sich nicht kaschieren.

Auch wenn Pecha Kucha nicht für Präsentationen von Kommunikationskonzepten erdacht wurde, lohnt sich der Einsatz. Wer die 6 Minuten souverän übersteht, dem ist es gelungen, sein Konzept fit zu machen. Er hat seinen konzeptionellen Weg auf eine schlanke, schlüssige Linie gebracht.

Mein Testurteil: Für mich ist Pecha Kucha ein gutes  Training, aber auch nur ein Training. Beim Kunden würde ich keinesfalls im automatisierten 20-Sekunden-Takt präsentieren. Denn im Ernstfall sollten die Inhalte die Form bestimmen und nicht umgekehrt.

31 März 2008

Tipps für PowerPoint

By | 2017-04-20T14:15:27+00:00 März. 31st. 2008|Pitch und Präsentation|

PowerPoint – Gewusst wo?

Wie das Bloggerleben so spielt. Es kommt ein Kommentar auf einen meiner Einträge. Ich bin natürlich neugierig, inspiziere das Weblog des Kommentators und stoße auf einen Link zu „Mehr als 34 Tipps für Powerpoint und Präsentation“. Was soll ich sagen: eine wahre Fundgrube für alle, die mit Powerpoint arbeiten und besser auf den Punkt kommen wollen. Denn mal ehrlich: Die meisten Präsentationsprobleme gehen nicht auf das Konto von Powerpoint, sondern auf das Kerbholz von Leuten, die nicht richtig mit Powerpoint umgehen können.

15 November 2007

Die letzte Folie

By | 2017-04-20T15:00:33+00:00 November. 15th. 2007|Pitch und Präsentation|

Richtig Schlussmachen ist schwer

Erst gestern ist es mir wieder sauer aufgestoßen. Am Ende einer ansonsten gelungenen Konzeptpräsentation hatte der Vortragende nicht viel mehr zu bieten, als eine Folie auf der groß und breit „Vielen Dank!“ stand. Eine solche Dankesfolie ziert den Schluss zahlreicher Präsentationen. Mal heißt es „Dankeschön für ihre Aufmerksamkeit!“ Ein ander Mal: „Herzlichen Dank und ein erfolgreiches Seminar“. Das nächste Mal dann: „Vielen Dank! Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit.“. Na, Dankeschön, wie einfallsreich! Fällt den Präsentierenden nichts Besseres sein? Muss das Finale wirklich so flach auslaufen?

       

Der Schluss ist ein dramaturgisch prägender Moment jeder Konzeptpräsentation. An dieser Stelle sollte man nicht mit einer formalen Floskel den Vortrag verläppern lassen, sondern mit Einfallsreichtum einen „merk-würdigen“ Schlussakkord setzen. Das kann ein passendes Zitat sein. Oder eine ungewöhnliche Werbemittelidee, die man sich als Bonbon für die Schlussfolie aufhebt. Vieles ist möglich, nur eins finde ich ziemlich unmöglich: Vielen Dank!

1 Februar 2007

Referentenansicht

By | 2017-04-22T13:34:06+00:00 Februar. 1st. 2007|Pitch und Präsentation|

Ende eines Referentenalptraums

In Konzeptpräsentationen passiert es mir immer wieder, dass ich mich ganz plötzlich nicht mehr erinnern kann, welches Thema die nächste Powerpointchart hat. Ich leite mit wohl gesetzten Worten zu den Zielgruppen über, klicke weiter, aber auf dem neuen Chart stehen peinlicherweise gar nicht die Zielgruppen, sondern die Kommunikationsziele. Schmidbauer, du Trottel! Überleitung verstolpert!

      

Diese Woche kam das neue MS Powerpoint 2007 in den Handel. Auch wenn es gegen den allgemeinen Trend läuft, will ich Microsoft verhalten loben. Der erste Probelauf liegt hinter mir. Für mich ist die neue Version eine positive Überraschung.

    

Besonders angetan hat es mir das neue Feature „Referentenansicht“. Präsentationstechnisch bedeutet Referentenansicht, dass ich als Referent auf meinem Notebook ein anderes Bild sehe als die Zuschauer auf der Leinwand. Ab sofort zeigt mir die Referentenansicht nicht nur die aktuelle, sondern auf einer Seitenleiste auch die drei nachfolgenden Charts. Das Verstolpern der Überleitungen dürfte damit der Vergangenheit angehören. Unten im Bild stehen in der Referentensicht die Vortragsstichworte zur jeweiligen Chart. Zukünftig wird diese Hilfestellung meine  Jonglage mit selbst gebastelten Stichwortkärtchen ersetzen. Außerdem hält mir die neue Powerpoint-Version stets die schon verstrichene Vortragszeit vor Augen. So lässt sich das Timing der Präsentation besser kontrollieren.

            

In zwei Wochen steht meine nächste Kundenpräsentation an, dann müssen das neue Powerpoint und die Referentenansicht ihre Feuertaufe bestehen.

9 Januar 2007

Kostenfolie in der Präsentation

By | 2017-04-22T13:41:35+00:00 Januar. 9th. 2007|Pitch und Präsentation|

Vorsicht Kostenfalle!

Die Konzeptpräsentation läuft ausgesprochen rund. Strategie, kreative Leitidee und Maßnahmen überzeugen. Die Auftraggeber hören aufmerksam zu und nicken zustimmend mit den Köpfen. Der Vortragende macht seine Sache gut. Vor dem geistigen Auge der Beteiligten läuft die geplante Kampagne wie ein Film ab – und die Handlung ist packend. Das Präsentationsziel scheint schon in Sicht als auf der Ziellinie die allerletzte Powerpointchart einen harten Schlagschatten wirft:  „Meine Damen und Herren, zum Abschluss die Kosten…“

Mit einem Mal ist jedes Lächeln auf den Gesichtern der Zuhörer wie weggewischt. Graue Zahlenkolonnen erobern das Terrain ohne Gnade und zerren die Zuhörer überfallartig auf den nackten Boden der kaufmännischen Tatsachen. Von zustimmendem Beifall am Ende des Vortrags kann keine Rede mehr sein. Keine Hand rührt sich. Kein Wort des Dankes ist zu hören. Alle verbeißen sich wie im Reflex sofort in die Kostenaufstellung und sezieren die einzelnen Positionen.

Meine Überlebensregel für die Konzeptpräsentation lautet: Kosten sind Killer! Gehen Sie innerhalb Ihrer Präsentation nie auf die Kostenfrage ein. Ihr Vortrag braucht als Finale einen runden, emotionalen Schlussakkord und keine kalte Dusche. Die Budgetierung muss draußen bleiben. Sie gehört  erst in die anschließende Diskussions- und Fragerunde.

24 August 2006

Ist die Pappenschlacht vergessen?

By | 2017-04-24T09:58:48+00:00 August. 24th. 2006|Pitch und Präsentation|

Auf in die Pappenschlacht!

Auf meiner Konzeptpräsentation in der vorigen Woche gab es ein bemerkenswertes Comeback. Zum ersten Mal seit Jahren habe ich einem Kunden wieder eine echte Pappenschlacht geliefert. Zwar pflegen viele Werbeagenturen bis heute ihre Layouts zusätzlich zur Beamerprojektion auch auf Pappe zu zeigen, aber ansonsten ist eine komplette Pappenpräsentation eher auf der Liste der aussterbenden Gattungen zu finden.

 Vor lauter Hightech mit Notebook, Beamer und Powerpoint hatte ich die klassische Pappenschlacht völlig aus den Augen und aus dem Sinn verloren. Ich fühlte mich mit der modernen Präsentationstechnik verheiratet. Nur ab und zu wurmte es mich im Stillen, dass Präsentationen per Beamer immer so fix, fertig und besiegelt wirken. Meine Kunden lehnen sich passiv im Sessel zurück und lassen sich berieseln. Die Erwartungshaltung steigt. Vorhang auf zum Konzeptionerkino!

Als ich Ende der 80ziger Jahre als Konzeptioner anfing, gehörte die Pappenschlacht noch zu den führenden Präsentationsformen. Grafische Layouts, Schaubilder und konzeptionelle Stichworte wurden vergrößert und auf großformatige Pappen geklebt. Wer die Hände für große Gesten freihalten wollte, der brachte die Pappen zusätzlich hinten mit einem Herzflügelaufsteller auf Stand. Der Name Pappenschlacht war durchaus berechtigt. Ich erinnere mich noch mit Schrecken, als mir bei einer wichtigen Präsentation vor lauter Aufregung die Pappen durcheinander kamen und mitten im Vortrag das große Suchen losbrach. Oder die alptraumartige Präsentation, bei der drei Dutzend aufgestellte Pappen wie Dominosteine eine nach der anderen umkippten und meine Präsentationsfluss unter sich begruben.

Letzte Wochen hatte ich genau 15 Pappen mit Layouts bzw. Konzepttext dabei und keine Probleme mit der Schlachtordnung. Während meines Vortrags entdeckte ich eine Reihe von interessanten Vorteilen wieder:

  • Beim Beamer folgt immer Chart auf Chart, stur hintereinander. Bei der Pappenschlacht stelle ich ganze Serien nebeneinander und schaffe so ein zusammenhängendes Panorama.
  • Ich gebe meinen Kunden einzelne Pappen an die Hand. Aus den passiven Zuschauern werden Begutachter und vielleicht sogar Beteiligte.
  • Ich reagiere auf meine Zuhörer und steuere, indem ich Pappen von links nach rechts oder von vorne nach hinten schiebe. Oder ich nehme eine Pappe vom Tisch und damit aus dem Rennen.
  • Meine Präsentation bekommt einen flexiblen Prozesscharakter. Die Zuschauer sind viel näher am Geschehen und denken das Konzept besser mit.
  • Auch werden Fehler viele eher verziehen. Bei der Pappenschlacht erwartet niemand Perfektion.

 

Ich habe mir fest vorgenommen, in Zukunft öfter mal wieder zur guten alten Pappe zu greifen und in den Schlacht zu ziehen.