29 März 2006

Corporate Volunteering

By | 2017-04-25T09:53:22+00:00 März. 29th. 2006|Instrumente und Maßnahmen|

Motivation für Manager

Ich brüte gerade über einem Konzept zur Motivation von Managern. Ein wichtiges Kapitel sind die so genannten „Incentives“. Nie gehört? Also, Incentives nennt man besondere Belohnungen, die Anreiz für mehr Leistung geben und die Bindung ans Unternehmen erhöhen.

Die Direktive meines Auftraggebers ist eindeutig. Kein Geld! Keine Geschenke! Es soll ein ganz außergewöhnliches Erlebnis werden. Ein Erlebnis, das so nicht alle Tage passiert. Ein Erlebnis, an das sich alle noch lange erinnern.

Gar nicht so einfach! Ich forsche im Internet nach. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Wochenende im polaren Eishotel mit Drink an der Eisbar und Übernachtung im coolen Eisbett? Oder mit einem schwebenden Candlelight-Dinner in einer Seilbahngondel hoch in den Alpen mit anschließendem Hubschrauberflug über den schönsten Gletscher Europas? Auf der Suche nach dem letzten Schrei geht mir langsam die Puste aus.

Aber Gott sei Dank gibt es einen neuen Trend. Im Zuge des „Corporate Citizenship“ öffnen sich für die Motivation ganz neue Horizonte. Die Unternehmen schielen nicht mehr nur auf die Rendite, sondern verstehen sich als „gute Bürger“ und wollen sich einsetzen. Eine Spielart ist der freiwillige Arbeitseinsatz der Mitarbeiter. In der DDR nannte man so etwas „Subotnik“. In Neudeutsch heißt es „Corporate Volunteering“. Ab sofort ist das Incentive nicht mehr Vergnügen, sondern handfeste Arbeit. Die Manager ziehen ihren Anzug aus und den Overall an. Sie legen das Handy aus der Hand, greifen zum Malerpinsel und renovieren den maroden Spielplatz eines Kinderheims.

Das ist doch mal was anderes! Wenn die Manager abends nach getaner Arbeit dann in Harry ´s New York Bar den Tag bei Whiskey und Zigarre Revue passieren lassen, sind alle hoch zufrieden. Es tut gut, etwas Gutes zu tun.

Zwei Initiativen bzw. Websites, die weiterhelfen, wenn es um gute Taten im Bereich der Corporate Responsibility und Corporate Volunteering geht:

5 Januar 2006

Customer Relationship Management

By | 2017-04-25T10:21:57+00:00 Januar. 5th. 2006|Instrumente und Maßnahmen|

CRM* Customer Relationship Mania

Mein Psychotherapeut hat mir neulich ein Bonusheft in die Hand gedrückt. Nach nur 12 Sitzungen erhalte ich in Zukunft ein hochwertiges Präsent gratis. Ich habe die Wahl zwischen einem Päckchen Valium oder einer Familienflasche Baldrian. Als ich zwei Stunden später wieder zu Hause war, klingelte das Telefon. Es war ein Anruf vom Callcenter meines Finanzamts. Die nette Dame gratulierte mir zu meinem stolzen Einkommen und bot mir eine Mitgliedschaft in ihrem exklusiven Steuerzahlerclub mit dem schönen Namen  „Family Fiskus“ an. Die Clubvorteile können sich sehen lassen. Unter anderem gibt es alle drei Monate einen „All-For-Free-Day“. An diesem Tag sind alle meine Einkünfte 100% steuerfrei. Außerdem werden die Clubmitglieder ein Mal im Jahr zu einem „Total Tax-Treff“ mit dem Finanzminister als Stargast eingeladen.

Auch meine Frau erkannte die Zeichen der Zeit und überraschte mich mit einem goldenen Ehegatten-Rabattheft „Smooch & Win“. Für jeden Kuss und für jede Umarmung überreicht sie mir seitdem ein Klebeherz, das ich sofort in das Rabattheft klebe. Habe ich 1.001 Herzen zusammen, darf ich mir endlich mein lang ersehntes neues Motorrad kaufen.

Diese eheliche Promotion hat mich übrigens auf eine blendende Idee gebracht. Für meine Kinder gibt es ab nächste Woche einen Block mit „Play with Pa“-Gutscheinen. Wenn sie freiwillig abwaschen oder die Treppe putzen, können sie einen Gutschein einlösen. Das bringt ganz neue Anreize und trägt beträchtlich zur Familienbindung bei.

Nur gestern war ich ein wenig irritiert. Als ich gerade zu Bett ging und mich ins Kissen kuschelte, da hörte ich eine Stimme. Es war mein Schutzengel. Er versuchte mir eine geweihte Kundenkarte „Holy Digits“ mit himmlischen Zusatzleistungen aufzuschwätzen. Oder habe ich das alles nur geträumt?

 

* eigentlich „Customer Relationsship Management

19 Dezember 2005

Fußballweltmeisterschaft und Kommunikation

By | 2017-04-25T10:28:18+00:00 Dezember. 19th. 2005|Instrumente und Maßnahmen|

Spielverderber FIFA?

Viele Marketing- und Werbeleiter bringen zurzeit den Fußball ins Spiel. Keiner will im Abseits stehen, wenn im nächsten Jahr  die Fußballweltmeisterschaft die Nation für ein paar Wochen im Sturm erobert. Alle hoffen auf ein begeistertes Publikum, sobald sie ihre Kommunikation für das große Ereignis neu aufstellen. Sie sind felsenfest überzeugt, dass die Magie des runden Leders auch auf ihre Produkte und Dienstleistungen abstrahlen wird.

Meinem Einwand, dass sich viel zu viele Kampagnen hemmungslos auf den Fußball schmeißen, so dass die werbliche Resonanz im allgemeinen Massenandrang einfach tot gedrückt wird, schenkt keiner ein Ohr.

Allerdings ist die Stimmung in der Branche diesmal nicht so ungetrübt wie bei den letzten Turnieren. Viele Werbe- und Kommunikationsleute zögern noch, ob sie mitspielen sollen. Das rigide Regime der FIFA verunsichert sie.

Letzte Woche saß ich mit der völlig irritierten PR-Mitarbeiterin einer karitativen Hilfsorganisation zusammen, die mehrere WM-Karten von einem Sponsor geschenkt bekommen hatte. Ihr Plan, die Karten in einer Charity-Auktion für den guten Zweck zu versteigern, dürfte viel Geld bringen. Und das Geld wird dringend benötigt. Nur habe Sie gehört, dass die FIFA solche Aktionen untersage. Selbst Harald Schmidt hätte schon gehörig Ärger bekommen. Was tun?

Ein großes Berliner Unternehmen will, wie schon bei der letzten WM, die eigene Frühjahrskampagne ganz ins Zeichen des Fußballs stellen. Die Agentur entwickelt gerade tolle Anzeigenmotive. Doch die FIFA mauert. Nach ihrer Meinung dürfen Begriffe wie „WM 2006“ oder „Fußballweltmeisterschaft 2006“ in der Werbung nicht verwendet werden. Oder nur für bestimmte Produkte verwendet werden. Oder so ähnlich. Keiner blickt so richtig durch. Ein Mitarbeiter des Unternehmens hat gehört, dass die FIFA fast 200 Anwälte aufgestellt habe, um Verstöße aufzuspüren und abzumahnen. Nur ein Gerücht?

Eine renommierte Interessenvertretung, seit Jahren in Berlin ansässig, will wie eh und je im Juni  ein Sommerfest feiern. Am gleichen Tag ist auch Spieltag der WM. Kein Problem, denkt sich der Eventverantwortliche. Er plant, in einem Zelt einen großen Plasma-Monitor aufzustellen. Das habe er auch bei der letzten WM so gemacht. Aber damit riskiert er eine gelbe Karte der FIFA. Denn die FIFA will gepfefferte Lizenzen für solche öffentliche Aufführungen kassieren. Die Interessenvertretung verlangt zwar keinen Eintritt, aber sie lässt das Fest über Sponsoring finanzieren. Das bewertet die FIFA als Eintritt und hält die Hand auf. Dürfen die das?

Manch einer aus der Branche würde der FIFA mit ihrem Reglementierungswahn am liebsten lauthals einen pfeifen – aber keiner traut sich so richtig.

13 November 2005

Corporate ist immer gut

By | 2017-04-26T10:31:59+00:00 November. 13th. 2005|Instrumente und Maßnahmen|

Corporate Delicti

„Wir sind doch eine Familie! Wir müssen zusammenhalten!“ Das predige ich meinen Lieben jeden Sonntag aufs Neue (Corporate Identity). Es beginnt schon frühmorgens, wenn alle ausgerechnet zur gleichen Zeit wie ich aufs Klo müssen und wild an der Tür rütteln (Corporate Digestion). Nach dem gemeinsamen Frühstück (Corporate Breakfast) geht es ans Abwaschen (Corporate Dishing). Nur unter Protest lassen sich die Kinder dazu drängen, beim Abtrocknen zu helfen. Im Grunde müssten wir anschließend das allgemeine Durcheinander in allen Räumen beseitigen (Corporate Chaos), aber dazu fehlt schlichtweg die Energie (Corporate Laziness).

Meine Frau verkündet, dass sie auch keinerlei Lust verspüre, die Sonntagsschnitzel zu braten. Da bleibt uns nur ein Abstecher ins benachbarte Fast Food Paradies (Corporate Fried Chicken). Eigentlich ist das kein guter Einfall, denn wir neigen alle zu Übergewicht (Corporate Corpulence). Aber die Kinder sind begeistert und schwärmen im Chor von den „krass krossen Chicken Wings“ (Corporate Wording). Bevor wir aufbrechen, besteht meine Frau eisern darauf, dass die Kinder sich anständige Klamotten anziehen (Corporate Design) und die Turnschuhe richtig mit Schleife zubinden (Corporate Culture). Später im Restaurant benimmt sich der Nachwuchs erstaunlich gesittet (Corporate Behaviour). Der anschließende obligate Sonntagsfamilienspaziergang (Corporate Walk) muss jedoch ausfallen, weil es in Bindfäden zu regnen anfängt.

Also sitzen wir den Nachmittag im Wohnzimmer rum, quatschen über Gott und die Welt (Corporate Communication) und langweilen uns (Corporate Boredom). Am Abend schlägt mein Sohn vor, die Glotze einzuschalten. Jeder will ein anderes Programm, so dass wir in einer Tour hin und her schalten (Corporate Zapping). Am Ende gibt es einen dicken Streit (Corporate Discord) und alle ziehen sich beleidigt in ihre Schmollwinkel zurück. Gemeinsam geht vieles besser. Sogar streiten!

14 Oktober 2005

Splash-Screen

By | 2017-04-26T10:49:32+00:00 Oktober. 14th. 2005|Instrumente und Maßnahmen|

Splash-Screen Bashing!!!

Kurz nach meinem Urlaub geht der Stress schon wieder los. Im Rahmen einer Konzeptrecherche musste ich heute die Websites von über 30 Werbe- und Eventagenturen aus ganz Deutschland abklappern und Informationen einsammeln.

Fast die Hälfte dieser Sites begrüßte mich mit einem Splash-Screen. So heißen die vorgeschalteten Intro- oder Startseiten. Splash-Screens sind lästige und überflüssige Präliminarien. Wenn ich auf Recherchetour bin, dann will ich fix ans Ziel und mich informieren, statt von einer läppischen Begrüßungsanimation in den Leerlauf gezwungen zu werden. Manche dieser Screens auf meiner heutigen Rundreise hatten noch nicht einmal ein „Skip Intro“, um dem Spuk ein Ende zu machen. Bei anderen hatte der Designer das „Skip Intro“ so raffiniert versteckt, dass der Abbruch zum Suchspiel wurde.

Besonders entsetzt hat mich das bodenlose Niveau der Animationen – ausnahmslos trivialer Zierrat von Webdesignern, die unter nervösem Gestaltungszwang leiden. Solche Splash Screens sollten besser Spleen Screens genannt werden.

Als weit verbreitet entpuppte sich der geniale Einfall, die Buchstaben des eigenen Agenturschriftzugs mit geschmackvoller Choreographie einfliegen oder einblenden zu lassen. Nicht selten dudelten dazu irgendwelche aalglatten Soundlogos aus der GEMA-freien Klonfabrik. Ebenfalls im Trend waren kleine Bagatellen mit geometrischen Formen. Kreise wanderten wie Suchscheinwerfer über das Blatt. Linie zogen rasante Schlussstriche. Würfel zeigten sich von ihrer besten Seite. Konkrete Sinnbilder bildeten die dritte große Kategorie. Ein Kompass richtete sich entschlossen nach Norden aus. Eine Biene flog auf das Agenturlogo und saugte Nektar. Einer schlauen Glühbirne ging ein Licht auf. Kein Klischee war platt genug. Wie sang einst Nina Hagen? Spritz, spritz, das isn Witz!

Mag sein, dass es Splash Screens gibt, die Klasse haben und Sinn machen. Aber die sind mir heute leider nicht begegnet. Meine Screen-Episoden waren ausnahmslos Zeitverschwendung. Der traurige Rekord lag übrigens inklusive Ladezeit bei über 30 Sekunden. So beginnt schon beim Intro der große Exodus der Besucher.

Schlaue Köpfe erfanden vor Jahren den Popup-Blocker. Auch ich habe ihn installiert. Laut Zähler hat er mich in diesem Jahr bereits vor 5.815 Popups bewahrt. Und da denke ich mir: Vielleicht könnte jemand einen Splash Screen-Blocker ersinnen, der nicht lange fackelt und allen sinnlos animierten Startseiten sofort den Garaus macht: „Keine Bewegung, Splash Screens! Euer Spiel ist aus!“

29 September 2005

Newsletter

By | 2017-04-26T10:56:46+00:00 September. 29th. 2005|Instrumente und Maßnahmen|

Nutzlose Newsletter

Weißt du schon das Neueste, Internet?

Wie ich neulich in der Zeitung las, kämpfst du immerfort mit der immensen Informationsflut. Auch mir wird es langsam zuviel. Heute Morgen hatte ich wieder einen dieser unsäglich aussagekräftigen Newsletter im Briefkasten. Jedes Unternehmen in Deutschland meint heutzutage einen solchen Nachrichtenservice haben zu müssen. Newsletter verstopfen meinen Briefkasten, blockieren mein Fax oder brechen per e-Mail über mich herein.

Aufgrund meines kommunikativen Jobs werde ich ziemlich häufig beglückt. 10 bis 15 Newsletter kommen im Schnitt pro Woche zusammen. Wer soll das noch lesen, wer hat soviel Zeit?

Und dann der Inhalt, du glaubst es nicht! Da wird sich seitenweise selbst auf die Schulter geklopft und stolz in die Brust geworfen. Nabelschau ist Trumpf. Nur, wen interessiert das, wenn der Vertriebschef K. heuer 25 Jahre im Amt ist oder die Agentur XY letzten Monat einen Etat zur Vermarktung von linksdrehender Biohefe gewonnen hat? Mich nicht!

Nicht wenige dieser Newsletterianer haben überhaupt keine Themen parat, aber einen Veröffentlichungstermin am Hals. Also müssen schnell ein paar Inhalte her, egal wie. Entsprechend quillt die Belanglosigkeit aus jeder Zeile.

Aber ich will nicht ungerecht sein. Ab und zu kommt tatsächlich ein Newsletter ins Haus, in dem echte Nutzwerte stecken, so dass sich das Lesen lohnt. Aber das ist eher selten. Schätzungsweise rund 90% aller Newsletter, Rundbriefe, Kundeninfos, Hotnews, Exklusiv-Nachrichten und VIP-Letter sind völlig überflüssig.

5 September 2005

Weblogs

By | 2017-04-26T11:14:14+00:00 September. 5th. 2005|Instrumente und Maßnahmen|

Weblogs: Strangers in the Net

Jeder hat seine Grille. Ich leiste mir mehrere. Eine davon ist ein Hang zum statistischen Heimwerken. Ich stelle gerne kleine private Statistiken auf und trage sie in mein kleines Notizbuch ein. So habe ich gerade gestern mit spitzem Bleistift bilanziert, dass sich meine Tochter diesen Sommer im Eissalon schon mit rund 17 blauen Kugeln Schlumpf-Eis bekleckert hat.

    

Eine andere aktuelle Statistik beschäftigt sich mit den so genannten „Corporate Weblogs“. Gemeint sind professionelle Blogs von Unternehmen und Institutionen. Stand Ende August hatte ich 2005 in 6 meiner Kommunikationskonzepte den Einsatz solcher Blogs vorgeschlagen und im Detail beschrieben. 2 Mal baute ich einen Podcast in den Konzeptmechanismus ein – nicht weil es so ungemein trendy war, sondern weil es in besagten Fällen richtig Sinn gemacht hätte.

   

Ernüchternde Bilanz: In keinem Fall wurde mein Vorschlag verwirklicht. 9,5 von 10 Ansprechpartnern (Werbeleiter, Pressesprecher etc.) hatten den Begriff Weblog noch nie gehört. Nach kurzer Einführung ins Thema reagierten sie stets abwartend: „Das ist uns noch zu früh!“ – „Da wollen wir erst mal schauen, wie sich das entwickelt!“ – „Hübsche Idee! Aber nein, wir greifen besser auf bewährte Instrumente zurück!“

    

Habe ich nicht gerade neulich in einer dieser orakelnden TV-Talkshows vernommen, dass Deutschland das Land der Innovationen sei? Komisch! Mir präsentiert sich Deutschland eher als ein Land der Zauderer und Bedenkenträger.

   

Ein statistischer Silberstreif am Horizont soll allerdings nicht unter den Tisch fallen. Wie jeden Monat so wertete ich auch Ende August die Zugriffsstatistik meiner Website aus. Auf der Website liegen gut drei Dutzend meiner Vortragsskripte und Fallbeispiele zum Download parat. Das Downloadangebot wird von meinen Studenten und Seminarteilnehmern kräftig genutzt. Im letzten Monat hat sich überraschend das Skript zum Corporate Weblog quasi aus dem Nichts in die Top Drei der Download-Charts aufgeschwungen. Immerhin etwas!

Wer mehr über Weblogs als Kommunikationsinstrument erfahren will, der sollte unbedingt auch folgende Präsentationen und Studien laden und lesen:

22 August 2005

Live-Kommunikation – Was ist das?

By | 2017-04-27T08:24:54+00:00 August. 22nd. 2005|Instrumente und Maßnahmen|

Stolperfalle Branchenchinesisch

Nach zwei Monaten Sommerpause begannen letzte Woche wieder meine ersten Kursabende und Seminare. Ab sofort versuche ich  alle paar Tage, mäßig bis hoch motivierten Nachwuchskräften aus Werbung und PR die Mysterien des Kommunikationskonzepts nahe zu bringen.

Gleich am ersten Abend landete ich einen fachlichen Flop. Fragte mich ein Teilnehmer, was der genaue Unterschied zwischen „Live-Kommunikation“ und „Event“ wäre. Keine Ahnung! Ehrlich! Die Springflut der Branchenschlagworte raubt mir den Atem. Aber das konnte ich vor versammelter Mannschaft natürlich nicht zugeben. Also eierte ich herum und wand mich halbwegs aus der Affäre. So in der Art: „Eigentlich ist Live-Kommunikation nur ein neues Hochglanz-Etikett, mit dessen Hilfe die darbende Eventbranche versucht, mehr Eindruck bei potentiellen Auftraggebern zu schinden.“ – Ganz verkehrt war meine Auslegung ja nicht, wenn auch definitiv nicht auf den Punkt kommend. Mein Zuhörerkreis gab sich jedenfalls damit zufrieden

Es muss inzwischen ein knappes Jahr her sein, dass ich in einer vergleichbaren Definitionsfalle saß. Als ich damals zu einem Monolog über die steigende Bedeutung von Below the Line-Maßnahmen anhob, wollte ein Seminarteilnehmer doch tatsächlich von mir wissen, warum es ausgerechnet „Below the Line“ hieße und was der Begriff genau bedeute. Ich holte tief Luft und entgegnete ausweichend, das sei die neudeutsche Bezeichnung für die Demarkationslinie, die die Werbeleute zwischen sich und den anderen Kommunikationsdisziplinen gezogen hätten. Dann wechselte ich schnell das Thema. Zu meiner Ehrenrettung lässt sich allerdings berichten, dass ich in den Monaten darauf manche meiner Kollegen, die elegant mit dem Begriff „Below the Line“ jonglierten, heimtückisch auf die Herkunft ansprach. Ertappt! Keiner wusste so richtig Bescheid!