15 August 2017

Aus dem Sommerloch über das Sommerloch

By | 2017-08-15T14:06:38+00:00 August. 15th. 2017|Branche und Business|

Respektiert das Sommerloch!

Aufmerksamkeitsdefizit im Sommer

Es gibt eine Zeit im Juli und August, da lenken die Menschen draußen im Lande ihr begrenztes Aufmerksamkeitspotential auf Sommer, Sonne, Urlaub, Badesee und Biergarten. Das ist eine schwere Zeit für Kommunikationskampagnen. Die Kommunikation rückt in den Schatten und wird nur noch schemenhaft wahrgenommen.

 

Kommunikation im Schatten

Immer mal wieder begegnet mir ein Auftraggeber, der antizyklisch plant (antizyklisch gilt als clever) und seine Kampagne vorsätzlich mitten im Sommerloch anlaufen lässt. Alle machen Pause und er startet voll durch. Und was soll ich sagen, bisher sind fast alle Sommerloch-Initiativen gescheitert. Jedenfalls alle, an denen ich beteiligt war. Auf der Kommunikationsplanung scheint ein Fluch des Sommers zu liegen. Da sollten beispielsweise Freiwillige für einen Test gefunden werden und kaum jemand meldete sich. Im Herbst gab es einen zweiten Anlauf und innerhalb einer Woche waren alle Tester an Bord. Da sollte ein neues Internetportal zur Hauptverkehrsader gemacht werden, aber das Sommerloch stellte sich als Sackgasse heraus, die Zielgruppe ging lieber ins Freibad als auf das Portal.

 

Ausnahmen möglich

Ich habe oben „fast“ geschrieben, was das Scheitern angeht, denn bisweilen gibt es ein Thema, das blüht gerade im Sommerloch auf. Es hat eine gewisse ätherische Leichtigkeit und bekommt bei über 30 Grad ungeahnten Auftrieb. Wenn man vorher nur wüsste, welches Thema das ist. Ich für meinen Teil bleibe vorsichtig und rate meinen Kunden vor größeren Kommunikationsanstrengungen in den Sommerwochen ab.

Gepostet bei 30,3 Grad im Schatten

9 März 2017

Chancen und Grenzen der Markenbildung

By | 2017-07-13T15:12:31+00:00 März. 9th. 2017|Branche und Business|

Markenbildung zwischen Sein und Schein

Ein zentrales Element der Kommunikation ist die Marke (neudeutsch: „Brand“). Es gehört heute zum guten Ton von Unternehmen und Institutionen, sich als Marke zu positionieren. Es scheint, nicht mehr ohne zu gehen. Nur wann ist eine Marke eine Marke?

Zuerst einmal: Was ist eine Marke? Die Marke verbindet ein prägnantes, einheitliches Markendesign mit einem überzeugenden Markenversprechen. Die Menschen in der modernen Konsum– und Mediengesellschaft werden von Kommunikation überflutet und finden kaum noch Halt. In dieser Situation sind Marken wie Leuchttürme. Sie geben Orientierung und sagen ihrer Zielgruppe: „Du kannst dich auf mich verlassen!“  Und wenn alles gut geht, dann vertraut die Zielgruppe darauf und bekennt sich zur Marke.

Die Kommunikationsbranche spricht von der „Macht der Marke“, verkauft die Marke als Wunderwaffe und verschweigt dabei einen Knackpunkt.

Die Definition der Marke geht nämlich noch weiter. Eine Marke ist noch lange keine Marke, wenn ein Unternehmen ein Markenzeichen mit einem Markenversprechen vereint und nach draußen kommuniziert. In Wirklichkeit setzt eine Marke nur Zeichen, wenn das Zeichen von der Zielgruppe erkannt, gelernt und erinnert wird. Ein Markenversprechen macht erst Sinn, wenn das Versprechen bei der Zielgruppe ankommt und in Vertrauen transformiert wird. Eine Marke wird folglich erst zur Marke, wenn sie sich den Weg in die Köpfe der Zielgruppe gebahnt hat. Vorher ist sie nur die Option auf eine Marke.

Schließlich ist ein Publikumsliebling auch nur dann Publikumsliebling, wenn er vom Publikum tatsächlich geliebt wird. Eine Autorität wird erst zur Autorität, wenn die Menschen ihm Autorität verleihen. Mein Gegenüber ist erst mein Freund, wenn er meine Freundschaft erwidert.

Das heißt in letzter Konsequenz: Da draußen gibt es unzählige Unternehmen, Institutionen, Produkte und Dienstleistungen, die von sich beanspruchen, eine Marke zu sein, aber den Anspruch in Wirklichkeit nicht einlösen können. Denn in den Köpfen der Menschen gibt es nur begrenzte Kapazitäten für Markenbilder. Jeder kann sich nur ein paar Marken zu Herzen nehmen. Auch wenn alle Unternehmen auf der Welt ihre Markenkommunikation perfektionieren, würden sich die freien Andockpunkte für Marken in unseren Köpfen nur unwesentlich erhöhen. Sprich: Von 100% Marken-Optionen, haben nur immer einige wenige Aussicht auf Erfolg. Die große Mehrheit muss scheitern.

1 Februar 2017

Im Trend und trotzdem ein Flop

By | 2017-07-13T15:13:30+00:00 Februar. 1st. 2017|Branche und Business|

Top of the Flops

Alles wird gerankt. Alle machen Rankings. Ich auch. Hier und heute vermelde ich meine persönliche Top 3 der Flops in der aktuellen Unternehmens- und Marketingkommunikation. Das Ranking basiert auf meinen Erfahrungen in den letzten Jahren und erhebt keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit:

  1. Platz: Der QR-Code – Anzeigen, Plakate, Broschüren, Flyer, Verpackungen werden seit einiger Zeit von diesen seltsamen schwarzweißen Mustern verunziert. Viele meiner Auftraggeber wollen Sie unbedingt auf ihre Werbe- und Informationsmittel drucken. Sie scheinen so etwas wie Insignien des Fortschritts zu sein. Warum bezeichne ich sie dennoch als großen Flop? Erstens sehen Sie hässlich aus und zerstören das Bild jedes Werbemittels. Zum anderen weisen Sie eine unterirdische Erfolgsquote auf. Kaum jemand hält sein Smartphone drauf und fragt die dahinterstehenden Informationen ab.
  1. Platz: Die App – Sollten wir für unsere Kunden nicht eine schmucke App entwickeln? Die Frage höre ich des Öfteren, denn Apps fürs Smartphone & Co sind in. Ich rate nicht immer, aber immer öfter davon ab. Über 90% der Apps darben in den Stores von Apple und Google vor sich hin, keiner will sie runterladen. Und wenn man sie doch lädt und installiert, dann werden 90% der Apps nur 1x oder 2x geöffnet. Apps müssen einen hohen und permanenten Anwendungsnutzen bieten, sie müssen simple und sicher in der Anwendung sein, nur dann habe sie eine Chance.
  1. Platz: Der Twitter-Account – Viele Unternehmen und Organisationen in Deutschland twittern, aber nicht wirklich und nicht richtig. In Wirklichkeit werden hauptsächlich die Pressemitteilungen und die News der eigenen Website auf Twitter gespiegelt. 140 Zeichen Pflichtübung. Die Follower-Zahlen pendeln im 3 bis 4-stelligen Bereich. Das Ausmaß von Retweets, Gefällt mir oder Antworten bleibt bescheiden. Lebendige Kommunikation sieht anders aus.
25 März 2016

Das schriftliche Konzept

By | 2017-07-13T15:34:40+00:00 März. 25th. 2016|Branche und Business, Text und Gestaltung|

Mir fehlen die Worte!

Text

Letzte Woche suchte ich eine bestimmte Passage zur Zielgruppenanalyse aus einem meiner Konzepte. Ich wusste noch, dass es ein Konzept aus dem letzten Jahr war, aber nicht mehr welches. Also habe ich den digitalen Ordner mit allen Konzepten 2015 durchsucht. Dabei ist es mir wie Schuppen von den Augen gefallen.

Letztes Jahr bin ich an rund 40 Kommunikationskonzepten beteiligt gewesen. Alle Konzepte sind in PowerPoint entstanden, nicht ein einziges Konzept in Word. Null, zero, nada – das ist das erste Jahr ohne ausformuliertes Konzept. Das hat es in meinen 29 Jahren als Konzeptioner nicht gegeben.

Ich habe extra noch mal in die uralten Konzeptordner geschaut. 1995 waren alle meine Konzepte komplett als Text ausformuliert. 2005 waren es noch rund 5 von 10 Konzepten. Danach ist der Schnitt immer weiter gesunken und in 2015 war der Nullpunkt erreicht.

Das Aussterben von schriftlich ausformulierten Konzepten ist keine Faulheit von meiner Seite. Meine Kunden wollen einfach keine Text-Booklets mehr. Sie ertrinken in der Flutwelle der modernen Informationsgesellschaft und können die Menge der Informationen nicht mehr verarbeiten.

Stirbt das ausführliche Textkonzept damit aus? Ich glaube nicht. Ich glaube an eine Rückbesinnung: Das schriftliche Konzept wird überleben!

18 Dezember 2015

Das richtige Wording

By | 2017-07-13T15:37:57+00:00 Dezember. 18th. 2015|Branche und Business, Strategie und Planung, Text und Gestaltung|

Denglish bringt es nicht

denglisch

Es mag mit meinem Beruf als Konzeptioner zusammenhängen, dass ich seit Jahren alle Konzeptpapiere, die mir irgendwo in die Finger kommen, einsammle und aufhebe. Mein Archivschrank im Keller ist voll.

Eine Hassliebe verbindet mich mit Konzepten, die versuchen, durch viele trendige englische Managementvokabeln Eindruck zu schinden. Die Moden wechseln, jedes Jahr kommen neue Trendbegriffe auf und andere verschwinden wieder in der Versenkung.

Beim Überfliegen der Konzepte ist mir aufgefallen, dass speziell im Kapitel der strategischen Zielsetzung eine auffallend hohe Fremdwort-Dichte anzutreffen ist. Da steht dann beispielsweise zu lesen – und ich zitiere ein paar Beispiele:

  • „Erhöhung des Impacts für unseren Global Brand“ – Die Kommunikationswirkung unserer internationalen Marke hat sich erhöht.
  • „Ausbau der Brand-Awareness bei relevanten Influencern“ – Die Markenbekanntheit bei Meinungsführern konnte ausgebaut werden.
  • „Optimierung des Content-Seedings durch Channel-Extension“ – Es werden neue Kommunikationskanäle genutzt, um die Themen nachhaltiger zu verbreiten.
  • „Qualifizierte Verdoppelung der Leadgenerierung“ – Die Zahl der echten Interessenten verdoppelt sich.
  • „Deutliche Fortschritte bei der Conversion-Rate im Online-Shop“ – Das Verhältnis von Besuchen zu Käufen verbessert sich.
  • „Steigerung des Weiterempfehlungs-Empowerments bei Key Accounts“ – Wichtige Kunden werden dabei unterstützt, das Produkt weiterzuempfehlen.

Warum muss man die Kommunikationsziele so verklausulieren und kann sie nicht in klare, einfache Worte fassen? Ich habe zu dieser Frage meine eigene Theorie entwickelt. Ich vermute, die aufgeblasenen englischen Begriffe sind wie Schwimmflügel. Marketing- und Kommunikationsleute fühlen sich dadurch sicherer. Die sprachlichen Schwimmflügel geben ihnen mit viel heißer Luft einen enormen Auftrieb. Sie verlieren die Angst, ins Schwimmen zu geraten und mit Ihrer fachlichen Expertise abzusaufen.

23 Oktober 2015

Zeitaufwand für eine Konzeption

By | 2017-07-13T15:42:13+00:00 Oktober. 23rd. 2015|Branche und Business|

Konzeptionelle Eile mit Weile

Bremse

„Das Imageproblem drängt. Nächste Woche ist Vorstandssitzung. Da will ich die neue Imagekampagne unbedingt vorstellen und verabschieden. Halten Sie sich dran!“ Manche Auftraggeber haben es erstaunlich eilig. Es wird auf der Management- und Entscheider-Ebene ein kurzsichtiger Zugzwang erzeugt – und ich haste mit der konzeptionellen Entwicklung hinterher. Eigentlich wäre es kein Problem, das Konzept erst bei der nächsten oder übernächsten Vorstandssitzung vorzustellen.

Sofern es um ein überschaubares operatives Kommunikationskonzept geht – zum Beispiel für die nächste Händler-Roadshow –, kann ich mit diesem Tempo gut leben. Rasant gefährlich wird es allerdings, wenn ich große strategische Konzepte mit hoher Bedeutung – zum Beispiel eine Imagekampagne – in Hochgeschwindigkeit durchziehe. Es kann nicht gründlich analysiert werden, die Strategie basiert auf Vermutungen, die kreativen Ideen werden mit der heißen Nadel gestrickt und die Umsetzung ist nicht auf ihre Machbarkeit hin überprüft. Alles in allem leidet die Qualität. Größere Kommunikationskonzepte brauchen einfach eine gewisse Reifezeit. Bekommen Sie diese Zeit nicht, dann steigt das Risiko, dass sie unausgegoren und kraftlos bleiben.

Welche Reifezeiten sind zu empfehlen? Aus meiner Erfahrung weiß ich, dass ein operatives Handlungskonzept für Einzelmaßnahmen oder kleinere Aktionen in 2 – 3 Wochen machbar ist. Strategische Kommunikations-konzepte für Kampagnen oder wichtige Projekte brauchen dagegen 2 – 3 Monate Entwicklungs- und Reifezeit.

Copyright Foto: bluedesign – fotolia.com

13 Mai 2015

Wissenschaftskommunikation

By | 2017-07-13T15:52:07+00:00 Mai. 13th. 2015|Branche und Business|

Wissenschaft kommunizieren. Neue Agentur am Start

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Wissenschaftskommunikation gewinnt an Bedeutung. Es geht um mehr, als nur den Bürgern Wissenschaft verständlich zu machen und solventen Drittmittelgebern neue Forschungsprojekte zu verkaufen. Die Wissenschaft rückt auf der öffentlichen Bühne immer weiter ins Rampenlicht. Sie bekommt eine tragende Rolle und alle schauen auf sie. Denn nur die Wissenschaft kann die gewaltigen Zukunftsprobleme vom Klimawandel bis zur Energiewende lösen. Zugleich werden aber auch die Risiken der Forschung größer und die Folgen unabsehbar. Kein Weg führt zurück hinter die Kulissen! Die Wissenschaft muss zu ihrer Verantwortung stehen, in der gesellschaftlichen Diskussion Stellung beziehen und den öffentlichen Dialog führen.

Seit vielen Jahren habe ich einen Lehrauftrag an der TU Berlin und unterrichte junge Wissenschaftler im Bereich der strategischen Kommunikationsplanung. Vor einigen Jahren saßen drei Studentinnen in meinem Kurs und gemeinsam haben wir ein Konzept zum Thema Nanotechnologie entwickelt.

Mitte April trafen wir uns in einem Café in der Bergmannstraße wieder und diskutierten bei einem grünen Tee über Kommunikation und Wissenschaft. Die drei – eine Geographin, eine Astrophysikern und eine Germanistin, alle mit einem Master in Wissenschaftsmarketing – erzählten mir, dass sie gerade eine Agentur für moderne Wissenschaftskommunikation gründen, die Science 3 heißt und ihr Büro gleich nebenan hat. Science3 versteht sich als eine Partnerin, die strategisch denkt, mit Konzept arbeitet und umsichtige Lösungen entwickelt. Der Bedarf ist groß und ich kann nur hoffen, dass immer mehr Forschungseinrichtungen ihn erkennen. Hier geht es zur Website von Science3.

11 November 2014

Aufträge über Ausschreibungen

By | 2017-07-13T16:01:18+00:00 November. 11th. 2014|Branche und Business|

Forderung: Transparente Bewertung bei Ausschreibungen


Ich ziehe jedes Jahr in mehrere Ausschreibungsschlachten – als „Söldner“ von Agenturen engagiert. Ausgeschrieben werden Kommunikationskampagnen aller Art. Die dazugehörigen Ausschreibungstexte werden seit Jahren immer länger, immer administrativer und dadurch leider auch immer aussageschwächer. Gleichzeitig steigt der Teilnahmeaufwand stark an. Ein ganzer Stapel von Dokumenten, Bescheinigungen, Kalkulationen, Referenzen, Mitarbeiterprofilen, Konzeptentwürfen wird abgefragt. Und dabei darf man bloß nichts vergessen, sonst ist man sofort draußen.

Warum dieser Aufwand? Um Fairness und Transparenz im Ausschreibungsverfahren sicherzustellen, sagen die ausschreibenden Institutionen.

Okay, nur einer kann die Ausschreibung gewinnen. Alle anderen kassieren eine Absage. So ist nun mal das Agenturleben. Was mich frustriert, ist auch nicht die Niederlage, sondern das unfruchtbare Absage-E-Mail, das meine Niederlage begründet. . „…hat eine andere Agentur unsere Erwartungen besser getroffen“ so oder ähnlich kurz und schwammig lauten meist die Begründungshalbsätze. Da habe ich zusammen mit dem Agenturteam tagelang hart gearbeitet – und dann das!

Man lernt aus Fehlern, sagen die Pädagogen. Ich würde gern aus meinen Fehlern lernen und es bei der nächsten Ausschreibung besser machen. Nur mit solch schleierhaften Begründungen ist das unmöglich. Zwar werden im Ausschreibungstext in der Regel alle Bewertungskriterien bis hin zu Prozentwerten und Gewichtungsfaktoren aufgelistet. Aber wie die Entscheidungen dann konkret zu Stande kommen und wo die Fehler liegen, das bleibt völlig intransparent.

Es wird dringend Zeit, hier etwas zu ändern. Ich mag nicht mehr Rätsel raten und stelle die Forderung, dass jeder Ausschreibungsteilnehmer seine Bewertung mit allen Einzelkriterien schriftlich bekommt – und zwar in Relation zum Besten und zum Durchschnitt . Durch diese transparente Bewertung erkennen die teilnehmenden Agenturen, wo ihre Schwächen liegen, sie können dazulernen und es das nächste Mal besser machen. Und davon profitiert letztendlich auch die ausschreibende Institution.

18 August 2014

Neues Konzeptionsbuch

By | 2017-07-13T16:05:59+00:00 August. 18th. 2014|Branche und Business|

Buchtipp: Konzeption von Kommunikation

Merten-Buch

 

Vor einem Jahr ist das neue Konzeptionsbuch von Klaus Merten erschienen. Der Untertitel des Buches bringt den besonderen inhaltlichen Charakter ganz gut auf den Punkt: Theorie und Praxis des strategischen Kommunikationsmanagements. In der Tat liegt die Besonderheit in der Verbindung.

Auf der einen Seite werden die theoretischen Grundlagen und Methoden der Kommunikationskonzeption gründlich und versiert dargestellt. Klaus Merten ist emeritierter Professor für empirische Kommunikationsforschung – und das spürt man. So sattelfest würde ich das nie hinbekommen.

Auf der anderen Seite ist das Buch voll mit Praxisbeispielen und Konzepten. Fast jeder wichtige Schritt wird mit einem Praxisbeispiel verdeutlicht. Dazu kommen 10 Konzepte, bei denen jeweils die gesamte Schrittfolge der Kommunikationsplanung ins Blickfeld rückt. Das Spektrum der Auftraggeber reicht vom Handwerksbäcker in Duisburg bis zu EADS/Airbus in Hamburg. Klaus Merten schaut aus dem PR-Blickwinkel auf die Kommunikation. Marketingkommunikation ist nicht sein Metier.

Ja, Praktiker aus Agenturen und Unternehmen können das Buch mit Gewinn lesen. Aber die Hauptzielgruppe sehe ich in den Studenten der zahlreichen Kommunikationsfachbereiche an deutschen Hochschulen. Vor allem das rund 100 Seiten lange Glossar ist erwähnenswert, denn es reiht nicht einfach Stichworte aneinander, sondern erklärt die maßgeblichen Fachbegriffe der Kommunikation und unterfüttert sie mit Schaubildern und Beispielen. Eine wahre Fundgruppe für die Bachelor-Arbeit!

Was hat mir nicht gefallen? Dass Klaus Merten die SWOT-Analyse so kritisch angeht. Sie sei veraltet und entspräche nicht mehr den Anforderungen des modernen Managements. Das sehe ich anders. Die SWOT hat in der Tat schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel, aber sie ist zeitlos robust und unverwüstlich in der Anwendung. Mit wenig Aufwand lässt sich ein solides analytisches Fundament bauen. Ohne die SWOT wäre ich in meinem konzeptionellen Arbeitsalltag hoffnungslos verloren.

23 März 2014

Neues Buch zur Konzeptionslehre

By | 2017-07-15T15:36:57+00:00 März. 23rd. 2014|Branche und Business|

Buchtipp: Erfolgreiche Konzepte

Vor zwei Jahren habe ich eine kleine Serie mit Blogeinträgen abgeschlossen, die Fachbücher rund um das Thema Konzeption in PR, Werbung und Kommunikation vorstellte. Ich war schlichtweg mit allen damals aktuellen Konzeptionsbüchern durch, jedenfalls mit allen, die aus meiner Sicht fachlichen Nährwert hatten.

Zwischenzeitlich sind zwei neue Bücher zum Thema herausgekommen und ein altes Konzeptionsbuch wurde komplett überarbeitet. Also lasse ich meine Buchbesprechungsserie wieder aufleben.

„Erfolgreiche Konzepte“ von Katja Ischebeck ist im letzten Jahr erschienen.  Das kompakte Buch aus dem Gabal-Verlag habe ich gestern Nachmittag in einem Rutsch durchgearbeitet. Es liest sich flüssig und geht die Konzeptionsarbeit sehr praxisnah an. Für mich persönlich gab es wenige neue Erkenntnisse – aber ich bin auch gar nicht die Zielgruppe.

Die Praxisanleitung in 6 Schritten erscheint mir ideal für alle Akteure in Unternehmen und Institutionen, die in die Materie der Konzeption einsteigen und sich unsicher fühlen, oder sogar einen ziemlichen Bammel vor den Widrigkeiten der Konzeptionserstellung haben. Katja Ischebeck nimmt sie an die Hand und führt sie, nach gründlicher Vorbereitung, in 6 Schritten durch die konzeptionelle Arbeit. Sie konzentriert sich dabei auf Instrumente, Methoden und Tipps, die für den Anfang notwendig sind. Der  konzeptionelle Weg wird mit leichtem Gepäck beschritten, so dass jeder das Gefühl hat, er kann das Ziel erreichen.

Dabei geht es in „Erfolgreiche Konzepte“ nicht explizit um Kommunikationskonzepte. Die im Buch beschriebene Schrittfolge eignet sich genauso gut für ein Kundenservicekonzept oder für eine konzeptionelle Weiterentwicklung des betrieblichen Gesundheitsmanagements oder für den nächsten Betriebsausflug.

Ein Kommunikationskonzept lässt sich mit der Schrittfolge natürlich auch erarbeiten, ohne Frage. Aber wer in diesem speziellen Sektor vorankommen will, der sollte sich besser ein  themenspezifisches Fachbuch zulegen, das der Konzeption von Unternehmens- oder Marketingkommunikation auf den Grund geht.