25 Juni 2018

Krise der Konzeption

By |2018-06-25T12:47:15+00:00Juni. 25th. 2018|Branche und Business|

Kommunikationskonzept in der Krise

Im Sinkflug

Das obige Schaubild zeigt die Entwicklung der Suchanfragen auf Google Trends für den Begriff „Kommunikationskonzept“ von 2004 bis 2018. Der kontinuierliche Abstieg ist frappant. Ich traue meinen Augen nicht und gebe „Marketingkonzept“ und danach „PR-Konzept“ ein. Der Trend bleibt der Gleiche: ein stetiger Sinkflug. Bedeuten die Zahlen, dass die konzeptionelle Planung in den letzten Jahren mehr und mehr an Bedeutung verloren hat? Was ist da los?

Trotz Turbulenzen

Mich irritiert der Sinkflug vor allem vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen. In den letzten Jahren ist der Pegel der Kommunikationsflut stark gestiegen, es wird immer komplizierter, die Zielgruppen zu erreichen und zu bewegen. Gleichzeitig hat sich im Kontext der 360°-Kommunikation und der digitalen Transformation die Zahl der Modelle, Kanäle und Instrumente in der Image- und Marketingkommunikation immens erhöht. Die Ansprüche an professionelle Kommunikationsarbeit steigen, nie war es so wichtig, mit umsichtigen Konzepten zu planen. Man sollte meinen, dass in einer solchen Situation die strategische Kommunikationsplanung stärker nachgefragt würde. Das Gegenteil scheint der Fall.

Auf meinem Radar

Ich habe in den letzten Monaten die Antennen ausgefahren, um Indikatoren für eine Krise der Konzeption zu entdecken und musste nicht lange suchen.

So erklärte mir der Marketingdirektor eines mittelständischen Unternehmens, dass sein Haus seit neuestem auf strategische Kommunikationsplanung verzichte, denn alles ändere sich, und da habe man die Erfahrung gemacht, dass es besser sei, auf Sicht zu fahren. Scrum sei zukunftsträchtiger als strategische Konzeption.

Auf einer Tagung für Führungskräfte fragte ich selbige nach ihren favorisierten Trends in der Kommunikation. Influencer-Marketing, Content-Management oder Customer Journey standen oben im Ranking, die strategische Planung lag weit zurück. Daraufhin hakte ich nach, wer in seinem Unternehmen mit integrierten Kommunikationskonzepten plane. Keine Reaktion. Ob denn klar sei, dass ohne übergreifendes Gesamtkonzept Content-Management oder Influencer-Marketing wenig Sinn mache? Daraufhin entgegnete mir ein Teilnehmer, dass man in Zeiten der digitalen Transformation den Anschluss nicht verpassen dürfe und aktuell lägen die Benchmarks nun mal bei innovativen Tools wie Social Media oder Customer Journey.

Einige Wochen später kam ich nach einem Meeting mit einer Agenturchefin ins Plaudern, die mir bestätigte, dass es für ihre Agentur immer schwerer würde, strategische Konzeption zu verkaufen. Die Kunden verlangen konkrete Produkte. Social Media-Produkte ließen sich am besten verkaufen. Auch bei Inbound Marketing werden die Leute hellhörig.

Meine Spurensuche ging weiter. Der CCO (Chief Customer Officer) eines Online-Shops zeigte mir stolz sein Monitoring-Dashboard. Das waren drei Monitore, auf denen zahlreiche grafischen Anzeigen zu sehen waren, die sich ständig aktualisierten. Es wurde angezeigt, wie viele Kunden sich im Online-Shop befanden, was die Leute kauften oder wie oft ein Kauf abgebrochen wurde. Auch alle Reaktionen in den sozialen Medien oder den Traffic im eigenen Blog konnte man direkt ablesen. Sobald ein bestimmter Grenzwert über- bzw. unterschritten wurde, gab es einen „Alert“ und das Shop-Team reagierte. Man steuere das Marketing über das Board in Echtzeit, erklärte mein Gesprächspartner. Als Vergleichsgröße könne man auf die umfassenden Daten der Vorjahre zurückgreifen. Die Algorithmen würden laufend optimiert, da brauche man keine strategischen Konzepte mehr.

Nicht das die strategische Planung verschwunden wäre, sie verändert sich nur. Innerhalb der Gruppenarbeit eines Workshops beauftragte ich die Teilnehmenden eine Kulturmarke neu zu positionieren. Eine Gruppe packte eine „Canvas“ mit bunten Karten und Stiften aus. Die Canvas, das war ein großes Plakat mit freien Feldern und einer vorgedruckten, bebilderten Schrittfolge, die mit „Who you are“ begann und bei „What you get“ endete. Die Gruppe arbeitete sich Feld für Feld voran, bis nach anderthalb Stunden die Canvas gefüllt war und die Positionierung stand. Ich fragte nach und erfuhr, dass es eine ganze Serie von weiteren Canvas zu gängigen Strategiethemen gäbe, alle zum sofortigen Einsatz. Ist das die Zukunft des Konzepts? Als Instant-Konzept mit Convenience-Charakter? Die wichtigen Informationen aufgießen, ein paar gute Ideen dazu, umrühren – und fertig?

Gegenschub

Ich habe in vielen Jahren Praxis gelernt, dass, wer etwas wirksam verändern will, klare Leitlinien und Ziele braucht. Er muss mit seiner Kommunikation Haltung zeigen und Werte vermitteln, die weit über das Tagesgeschäft hinausweisen. Zurzeit erlebe ich da draußen in der Kommunikationswelt eine Dominanz des Taktischen über das Strategische. Technokraten und Pragmatiker sind auf dem Vormarsch und erobern die Deutungshoheit, für Strategen und Visionäre ist das Terrain schwierig geworden. Deshalb habe ich mich entschlossen, diesen Beitrag zu schreiben, quasi um Krisen-PR für das Konzept in der Krise zu betreiben. Ob das was nützt?

15 März 2018

Fluch des Vorurteils

By |2018-03-15T15:16:54+00:00März. 15th. 2018|Branche und Business|

AUSGESTOSSEN!

Ich nahm neulich an einer Podiumsdiskussion teil und wurde vom Moderator gefragt, was ich vom Trend zur digitalen Kommunikation hielte. Ich warnte davor, immer gleich der nächsten Trendsau hinterherzulaufen, die durchs digitale Dorf gejagt wird, und plädierte dafür, das Unternehmen und Institutionen den digitalen Wandel in der Kommunikationsplanung mit Besonnenheit und solidem Konzept angehen.

„Ach, Herr Schmidbauer, sie sind so herrlich 1995“, kommentierte der Moderator meine Worte und lächelte süffisant. Damit spielte er auf mein fortgeschrittenes Alter an und gab mir (und dem Publikum im Saal) zu verstehen, dass ich in Fragen der digitalen Kommunikation wohl nicht auf der Höhe der Zeit sei und mir der nötige Durchblick fehle.

Ihm jetzt zu entgegnen, dass das mit 1995 auf jeden Fall zutreffend sei, weil ich seit Sommer 1995 fast täglich online bin, weil ich in den 23 Jahren mehr Websites, Online-Kampagnen und Social Media-Auftritte konzipiert habe als die meisten jungen „Digital Natives“, das hätte nichts gebracht, denn sein Vorurteil war zementiert.

Leider ist die beschriebene Szene aus meinem Berufsleben keine Ausnahme, sondern der Normalfall. Wer wie ich deutlich über 50 Jahre alt ist, der wird bei Themen wie Online, Digital, Social Media oft ausgeschlossen und darf nicht mitreden.

Eine Agentur ließ mich den Online-Part eines Konzepts nicht präsentieren, obwohl ich den selbst entwickelt hatte, und schickte eine junge Kollegin vor, damit es überzeugender wirke. Ein Kunde, der mit meiner Arbeit sehr zufrieden war, vergab den Job für ein Web-Konzept anderweitig, weil ich längst aus dem Alter raus sei.

Ich habe das Vorurteil bei einem Branchentreff „digitale Entmündigung“ genannt, was nicht gut ankam und zu Protesten führte. Aber dennoch, es fühlt sich so an.

22 Januar 2018

Konzeptionsseminare im Juni

By |2018-02-13T09:33:15+00:00Januar. 22nd. 2018|Branche und Business|

Neue Konzeptionsseminare mit Klaus Schmidbauer

Ich bekomme immer mal wieder eine Anfrage, wann es endlich ein offenes Konzeptionsseminar von mir gibt. Ich mache zwar jedes Jahr zahlreiche Inhouse-Workshops zur Kommunikationskonzeption bzw. zur strategischen Kommunikationsplanung, aber ein Seminar, das für alle Konzeptionsinteressierte offen ist, hat es schon länger nicht mehr gegeben. Anders in diesem Jahr.

Im Juni 2018 werde ich an der SCM School für Communication and Management in Berlin zwei Konzeptionsseminare durchführen:

  • 19. und 20. Juni 2018 – Grundlagen des professionellen PR-Konzepts – Im Seminar stelle ich am ersten Tag den kleinen Werkzeugkasten der Konzeption mit allen wichtigen Werkzeugen vor. Am zweiten Tag entwickeln die Teilnehmenden unter meiner Moderation ein komplettes PR- und Kommunikationskonzept. Das Seminar wendet sich an alle Einsteiger in die Konzeption, aber auch Fortgeschrittene können ihr Wissen wiederauffrischen. Weitere Infos gibt es hier.

 

  • 21. Juni 2018 – Vertiefung des professionellen PR-Konzepts – Das Vertiefungsseminar kann man einzeln oder additiv zum Grundlagenseminar buchen. An dem Tag wird der große Werkzeugkasten geöffnet und spezielle Konzeptionsinstrumente in der Anwendung erklärt und ausprobiert. Dazu gehören beispielsweise die TOWS-Analyse, die Stakeholder-Matrix, das Themenmanagement oder die Anwendung des Persona-Modells in der PR-Kommunikation. Weitere Infos gibt es hier.

Wer im Juni keine Zeit hat, kann bis zum November warten. Am 20. und 21. November wird das Grundlagenseminar und am 22. November 2018 das Vertiefungsseminar wiederholt. Man sieht sich!

15 August 2017

Aus dem Sommerloch über das Sommerloch

By |2018-06-02T08:12:36+00:00August. 15th. 2017|Branche und Business|

Respektiert das Sommerloch!

Aufmerksamkeitsdefizit im Sommer

Es gibt eine Zeit im Juli und August, da lenken die Menschen draußen im Lande ihr begrenztes Aufmerksamkeitspotential auf Sommer, Sonne, Urlaub, Badesee und Biergarten. Das ist eine schwere Zeit für Kommunikationskampagnen. Die Kommunikation rückt in den Schatten und wird nur noch schemenhaft wahrgenommen.

 

Kommunikation im Schatten

Immer mal wieder begegnet mir ein Auftraggeber, der antizyklisch plant (antizyklisch gilt als clever) und seine Kampagne vorsätzlich mitten im Sommerloch anlaufen lässt. Alle machen Pause und er startet voll durch. Und was soll ich sagen, bisher sind fast alle Sommerloch-Initiativen gescheitert. Jedenfalls alle, an denen ich beteiligt war. Auf der Kommunikationsplanung scheint ein Fluch des Sommers zu liegen. Da sollten beispielsweise Freiwillige für einen Test gefunden werden und kaum jemand meldete sich. Im Herbst gab es einen zweiten Anlauf und innerhalb einer Woche waren alle Tester an Bord. Da sollte ein neues Internetportal zur Hauptverkehrsader gemacht werden, aber das Sommerloch stellte sich als Sackgasse heraus, die Zielgruppe ging lieber ins Freibad als auf das Portal.

 

Ausnahmen möglich

Ich habe oben „fast“ geschrieben, was das Scheitern angeht, denn bisweilen gibt es ein Thema, das blüht gerade im Sommerloch auf. Es hat eine gewisse ätherische Leichtigkeit und bekommt bei über 30 Grad ungeahnten Auftrieb. Wenn man vorher nur wüsste, welches Thema das ist. Ich für meinen Teil bleibe vorsichtig und rate meinen Kunden vor größeren Kommunikationsanstrengungen in den Sommerwochen ab.

Gepostet bei 30,3 Grad im Schatten

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9 März 2017

Chancen und Grenzen der Markenbildung

By |2018-06-02T12:58:39+00:00März. 9th. 2017|Branche und Business|

Markenbildung zwischen Sein und Schein

Ein zentrales Element der Kommunikation ist die Marke (neudeutsch: „Brand“). Es gehört heute zum guten Ton von Unternehmen und Institutionen, sich als Marke zu positionieren. Es scheint, nicht mehr ohne zu gehen. Nur wann ist eine Marke eine Marke?

Zuerst einmal: Was ist eine Marke? Die Marke verbindet ein prägnantes, einheitliches Markendesign mit einem überzeugenden Markenversprechen. Die Menschen in der modernen Konsum– und Mediengesellschaft werden von Kommunikation überflutet und finden kaum noch Halt. In dieser Situation sind Marken wie Leuchttürme. Sie geben Orientierung und sagen ihrer Zielgruppe: „Du kannst dich auf mich verlassen!“  Und wenn alles gut geht, dann vertraut die Zielgruppe darauf und bekennt sich zur Marke.

Die Kommunikationsbranche spricht von der „Macht der Marke“, verkauft die Marke als Wunderwaffe und verschweigt dabei einen Knackpunkt.

Die Definition der Marke geht nämlich noch weiter. Eine Marke ist noch lange keine Marke, wenn ein Unternehmen ein Markenzeichen mit einem Markenversprechen vereint und nach draußen kommuniziert. In Wirklichkeit setzt eine Marke nur Zeichen, wenn das Zeichen von der Zielgruppe erkannt, gelernt und erinnert wird. Ein Markenversprechen macht erst Sinn, wenn das Versprechen bei der Zielgruppe ankommt und in Vertrauen transformiert wird. Eine Marke wird folglich erst zur Marke, wenn sie sich den Weg in die Köpfe der Zielgruppe gebahnt hat. Vorher ist sie nur die Option auf eine Marke.

Schließlich ist ein Publikumsliebling auch nur dann Publikumsliebling, wenn er vom Publikum tatsächlich geliebt wird. Eine Autorität wird erst zur Autorität, wenn die Menschen ihm Autorität verleihen. Mein Gegenüber ist erst mein Freund, wenn er meine Freundschaft erwidert.

Das heißt in letzter Konsequenz: Da draußen gibt es unzählige Unternehmen, Institutionen, Produkte und Dienstleistungen, die von sich beanspruchen, eine Marke zu sein, aber den Anspruch in Wirklichkeit nicht einlösen können. Denn in den Köpfen der Menschen gibt es nur begrenzte Kapazitäten für Markenbilder. Jeder kann sich nur ein paar Marken zu Herzen nehmen. Auch wenn alle Unternehmen auf der Welt ihre Markenkommunikation perfektionieren, würden sich die freien Andockpunkte für Marken in unseren Köpfen nur unwesentlich erhöhen. Sprich: Von 100% Marken-Optionen, haben nur immer einige wenige Aussicht auf Erfolg. Die große Mehrheit muss scheitern.

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1 Februar 2017

Im Trend und trotzdem ein Flop

By |2018-06-02T12:59:56+00:00Februar. 1st. 2017|Branche und Business|

Top of the Flops

Alles wird gerankt. Alle machen Rankings. Ich auch. Hier und heute vermelde ich meine persönliche Top 3 der Flops in der aktuellen Unternehmens- und Marketingkommunikation. Das Ranking basiert auf meinen Erfahrungen in den letzten Jahren und erhebt keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit:

  1. Platz: Der QR-Code – Anzeigen, Plakate, Broschüren, Flyer, Verpackungen werden seit einiger Zeit von diesen seltsamen schwarzweißen Mustern verunziert. Viele meiner Auftraggeber wollen Sie unbedingt auf ihre Werbe- und Informationsmittel drucken. Sie scheinen so etwas wie Insignien des Fortschritts zu sein. Warum bezeichne ich sie dennoch als großen Flop? Erstens sehen Sie hässlich aus und zerstören das Bild jedes Werbemittels. Zum anderen weisen Sie eine unterirdische Erfolgsquote auf. Kaum jemand hält sein Smartphone drauf und fragt die dahinterstehenden Informationen ab.
  1. Platz: Die App – Sollten wir für unsere Kunden nicht eine schmucke App entwickeln? Die Frage höre ich des Öfteren, denn Apps fürs Smartphone & Co sind in. Ich rate nicht immer, aber immer öfter davon ab. Über 90% der Apps darben in den Stores von Apple und Google vor sich hin, keiner will sie runterladen. Und wenn man sie doch lädt und installiert, dann werden 90% der Apps nur 1x oder 2x geöffnet. Apps müssen einen hohen und permanenten Anwendungsnutzen bieten, sie müssen simple und sicher in der Anwendung sein, nur dann habe sie eine Chance.
  1. Platz: Der Twitter-Account – Viele Unternehmen und Organisationen in Deutschland twittern, aber nicht wirklich und nicht richtig. In Wirklichkeit werden hauptsächlich die Pressemitteilungen und die News der eigenen Website auf Twitter gespiegelt. 140 Zeichen Pflichtübung. Die Follower-Zahlen pendeln im 3 bis 4-stelligen Bereich. Das Ausmaß von Retweets, Gefällt mir oder Antworten bleibt bescheiden. Lebendige Kommunikation sieht anders aus.
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25 März 2016

Das schriftliche Konzept

By |2018-06-26T14:16:04+00:00März. 25th. 2016|Branche und Business, Text und Gestaltung|

Mir fehlen die Worte!

Text

Letzte Woche suchte ich eine bestimmte Passage zur Zielgruppenanalyse aus einem meiner Konzepte. Ich wusste noch, dass es ein Konzept aus dem letzten Jahr war, aber nicht mehr welches. Also habe ich den digitalen Ordner mit allen Konzepten 2015 durchsucht. Dabei ist es mir wie Schuppen von den Augen gefallen.

Letztes Jahr bin ich an rund 40 Kommunikationskonzepten beteiligt gewesen. Alle Konzepte sind in PowerPoint entstanden, nicht ein einziges Konzept in Word. Null, zero, nada – das ist das erste Jahr ohne ausformuliertes Konzept. Das hat es in meinen 29 Jahren als Konzeptioner nicht gegeben.

Ich habe extra noch mal in die uralten Konzeptordner geschaut. 1995 waren alle meine Konzepte komplett als Text ausformuliert. 2005 waren es noch rund 5 von 10 Konzepten. Danach ist der Schnitt immer weiter gesunken und in 2015 war der Nullpunkt erreicht.

Das Aussterben von schriftlich ausformulierten Konzepten ist keine Faulheit von meiner Seite. Meine Kunden wollen einfach keine Text-Booklets mehr. Sie ertrinken in der Flutwelle der modernen Informationsgesellschaft und können die Menge der Informationen nicht mehr verarbeiten.

Stirbt das ausführliche Textkonzept damit aus? Ich glaube nicht. Ich glaube an eine Rückbesinnung: Das schriftliche Konzept wird überleben!

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18 Dezember 2015

Das richtige Wording

By |2018-06-26T14:25:20+00:00Dezember. 18th. 2015|Branche und Business, Strategie und Planung, Text und Gestaltung|

Denglish bringt es nicht

denglisch

Es mag mit meinem Beruf als Konzeptioner zusammenhängen, dass ich seit Jahren alle Konzeptpapiere, die mir irgendwo in die Finger kommen, einsammle und aufhebe. Mein Archivschrank im Keller ist voll.

Eine Hassliebe verbindet mich mit Konzepten, die versuchen, durch viele trendige englische Managementvokabeln Eindruck zu schinden. Die Moden wechseln, jedes Jahr kommen neue Trendbegriffe auf und andere verschwinden wieder in der Versenkung.

Beim Überfliegen der Konzepte ist mir aufgefallen, dass speziell im Kapitel der strategischen Zielsetzung eine auffallend hohe Fremdwort-Dichte anzutreffen ist. Da steht dann beispielsweise zu lesen – und ich zitiere ein paar Beispiele:

  • „Erhöhung des Impacts für unseren Global Brand“ – Die Kommunikationswirkung unserer internationalen Marke hat sich erhöht.
  • „Ausbau der Brand-Awareness bei relevanten Influencern“ – Die Markenbekanntheit bei Meinungsführern konnte ausgebaut werden.
  • „Optimierung des Content-Seedings durch Channel-Extension“ – Es werden neue Kommunikationskanäle genutzt, um die Themen nachhaltiger zu verbreiten.
  • „Qualifizierte Verdoppelung der Leadgenerierung“ – Die Zahl der echten Interessenten verdoppelt sich.
  • „Deutliche Fortschritte bei der Conversion-Rate im Online-Shop“ – Das Verhältnis von Besuchen zu Käufen verbessert sich.
  • „Steigerung des Weiterempfehlungs-Empowerments bei Key Accounts“ – Wichtige Kunden werden dabei unterstützt, das Produkt weiterzuempfehlen.

Warum muss man die Kommunikationsziele so verklausulieren und kann sie nicht in klare, einfache Worte fassen? Ich habe zu dieser Frage meine eigene Theorie entwickelt. Ich vermute, die aufgeblasenen englischen Begriffe sind wie Schwimmflügel. Marketing- und Kommunikationsleute fühlen sich dadurch sicherer. Die sprachlichen Schwimmflügel geben ihnen mit viel heißer Luft einen enormen Auftrieb. Sie verlieren die Angst, ins Schwimmen zu geraten und mit Ihrer fachlichen Expertise abzusaufen.

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23 Oktober 2015

Zeitaufwand für eine Konzeption

By |2017-07-13T15:42:13+00:00Oktober. 23rd. 2015|Branche und Business|

Konzeptionelle Eile mit Weile

Bremse

„Das Imageproblem drängt. Nächste Woche ist Vorstandssitzung. Da will ich die neue Imagekampagne unbedingt vorstellen und verabschieden. Halten Sie sich dran!“ Manche Auftraggeber haben es erstaunlich eilig. Es wird auf der Management- und Entscheider-Ebene ein kurzsichtiger Zugzwang erzeugt – und ich haste mit der konzeptionellen Entwicklung hinterher. Eigentlich wäre es kein Problem, das Konzept erst bei der nächsten oder übernächsten Vorstandssitzung vorzustellen.

Sofern es um ein überschaubares operatives Kommunikationskonzept geht – zum Beispiel für die nächste Händler-Roadshow –, kann ich mit diesem Tempo gut leben. Rasant gefährlich wird es allerdings, wenn ich große strategische Konzepte mit hoher Bedeutung – zum Beispiel eine Imagekampagne – in Hochgeschwindigkeit durchziehe. Es kann nicht gründlich analysiert werden, die Strategie basiert auf Vermutungen, die kreativen Ideen werden mit der heißen Nadel gestrickt und die Umsetzung ist nicht auf ihre Machbarkeit hin überprüft. Alles in allem leidet die Qualität. Größere Kommunikationskonzepte brauchen einfach eine gewisse Reifezeit. Bekommen Sie diese Zeit nicht, dann steigt das Risiko, dass sie unausgegoren und kraftlos bleiben.

Welche Reifezeiten sind zu empfehlen? Aus meiner Erfahrung weiß ich, dass ein operatives Handlungskonzept für Einzelmaßnahmen oder kleinere Aktionen in 2 – 3 Wochen machbar ist. Strategische Kommunikations-konzepte für Kampagnen oder wichtige Projekte brauchen dagegen 2 – 3 Monate Entwicklungs- und Reifezeit.

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13 Mai 2015

Wissenschaftskommunikation

By |2017-07-13T15:52:07+00:00Mai. 13th. 2015|Branche und Business|

Wissenschaft kommunizieren. Neue Agentur am Start

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Wissenschaftskommunikation gewinnt an Bedeutung. Es geht um mehr, als nur den Bürgern Wissenschaft verständlich zu machen und solventen Drittmittelgebern neue Forschungsprojekte zu verkaufen. Die Wissenschaft rückt auf der öffentlichen Bühne immer weiter ins Rampenlicht. Sie bekommt eine tragende Rolle und alle schauen auf sie. Denn nur die Wissenschaft kann die gewaltigen Zukunftsprobleme vom Klimawandel bis zur Energiewende lösen. Zugleich werden aber auch die Risiken der Forschung größer und die Folgen unabsehbar. Kein Weg führt zurück hinter die Kulissen! Die Wissenschaft muss zu ihrer Verantwortung stehen, in der gesellschaftlichen Diskussion Stellung beziehen und den öffentlichen Dialog führen.

Seit vielen Jahren habe ich einen Lehrauftrag an der TU Berlin und unterrichte junge Wissenschaftler im Bereich der strategischen Kommunikationsplanung. Vor einigen Jahren saßen drei Studentinnen in meinem Kurs und gemeinsam haben wir ein Konzept zum Thema Nanotechnologie entwickelt.

Mitte April trafen wir uns in einem Café in der Bergmannstraße wieder und diskutierten bei einem grünen Tee über Kommunikation und Wissenschaft. Die drei – eine Geographin, eine Astrophysikern und eine Germanistin, alle mit einem Master in Wissenschaftsmarketing – erzählten mir, dass sie gerade eine Agentur für moderne Wissenschaftskommunikation gründen, die Science 3 heißt und ihr Büro gleich nebenan hat. Science3 versteht sich als eine Partnerin, die strategisch denkt, mit Konzept arbeitet und umsichtige Lösungen entwickelt. Der Bedarf ist groß und ich kann nur hoffen, dass immer mehr Forschungseinrichtungen ihn erkennen. Hier geht es zur Website von Science3.