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Kinderschuhe des Internets

By |2018-09-27T08:11:10+00:00September. 27th. 2018|Branche und Business|

Als Web und E-Mail noch Neuland waren

Ich habe alle meine Kommunikationskonzepte im Computer archiviert. Das Archiv reicht zurück bis Ende der achtziger Jahre. Andere blättern in Fotoalben, ich scrolle ab und zu durch mein Konzeptarchiv und erinnere mich.

Zum Beispiel an den großen Durchbruch des Internets in meinen Konzepten ab dem Jahr 1998. Ende 1995 tauchte das Internet erstmals als Idee in einem Konzept auf. Mit wenig Erfolg. Ich erinnere mich an die Konzeptpräsentation in einem großen Energieunternehmen. Als ich eine Website als innovatives Kommunikationsinstrument vorschlug, fuhr mir die Kommunikationschefin sofort in die Parade: „Ich bitte Sie, Herr Schmidbauer, was sollen wir jetzt mit so einem Studentenkram? Das ist doch gar nicht unsere Zielgruppe!“ So oder ähnlich wurde ich in der Folgezeit ständig abgebügelt, sobald ich das Web ins konzeptionelle Gespräch brachte.

1998 drehte sich plötzlich der Wind. Ich erkenne den Wechsel daran, dass in diesem Jahr erstmals eine Reihe von Umsetzungskonzepten für Websites in meinem Archivordner auftauchen. Immer mehr Kunden hatten die Zeichen der Zeit erkannt.

Aber aller Anfang war schwer. Meine Konzepte lassen erkennen, dass die Websites nach heutigen Ansprüchen äußerst frugal waren. Bilder? Eher selten. Videos? Nicht dran zu denken. Damals kam ein Agenturchef extra zu mir nach Hause, um sich seine neue Website anzuschauen, denn die PCs im eigenen Unternehmen hingen noch nicht im Netz, weil sein Administrator tausend Bedenken hatte.

1998 war für mich zugleich der große Durchbruch der E-Mails. Ich begann, an meine Kunden nicht immer, aber immer öfter Mails zu schreiben. Einige Kunden hatten ja seit Neuestem eine eigene Website, und damit auch E-Mail, da schien es mir nur folgerichtig, den neuen Weg zu nutzen.

Folgerichtig war es, aber ansonsten ziemlich beschwerlich. Es lief jedes Mal gleich ab, ich schrieb meine E-Mails – und nichts passierte, keine Reaktion. Auf Nachfrage musste ich feststellen, dass die Empfänger nicht in ihr elektronisches Postfach schauten, denn daran mussten sie sich erst gewöhnen: „E-Mail? Ich weiß gar nicht, wo ich da klicken muss? Schicken Sie mir doch lieber ein Fax.“

Die Konsequenz? Wieder Fax schicken? Von wegen! Stattdessen habe ich monatelang alle meine Mails jeweils mit einem Telefonat angekündigt. Auf „Senden“ klicken und dann zum Telefonhörer greifen: „Ich habe gerade ´ne Mail geschickt, schauen Sie bitte bei Gelegenheit in Ihr Postfach!“ So lief das vor 20 Jahren.