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Die neue Bescheidenheit

By |2018-09-21T07:52:36+00:00September. 21st. 2018|Pitch und Präsentation|

Schluss mit den Superlativen!

Tatort Pitch

Ein Berliner Unternehmen hatte mich als Zaungast zum Agentur-Pitch eingeladen. Drei Kommunikationsagenturen präsentierten im großen Konferenzraum ihr Konzept. Gleich die erste Agentur hüllte ihren Vortrag in eine Wolke aus Eigenlob – das Parfüm mit einem zarten Hauch von Arroganz.

Leider treffe ich Selbstbeweihräucherung in der Kommunikationsbranche häufiger an. Ich behaupte sogar, es handelt sich um eine schlechte Angewohnheit der Branche.

Super-Referenzen

Zurück zum Pitch. Gefordert war eine kurze Eigendarstellung zu Beginn der Präsentation. Besagte Agentur brachte es auf eine 7-minütige Revue der Superlative:  kreative Highlights, gewonnene Awards, begeisterte Kundenzitate, tolle Kampagnen. Jedes Projekt ein Volltreffer!

Hey Leute, was soll das? Nicht euer Agenturportrait, euer Konzept soll überzeugen. Nur leider gingen euch durch die Selbstbeweihräucherung wertvolle Minuten für die Überzeugungsarbeit verloren.

Mega-Strategie

Danach kam die Agentur zur Sache. Die Agenturchefin führte in die Kommunikationsstrategie ein und versprach eine „herrlich schlüssige Brand Strategy“. Wirklich? Nicht weil ihr es mit Worten suggeriert, wird die Strategie schlüssig, sondern weil sie sich uns Zuhörern sofort erschließt.

Für die kreative Leitidee gab die Chefin das Wort an den Kreativdirektor weiter. Nun käme ein „cooler Einfall mit spontanem Wow-Effekt“ kündigte der an. Gleichwohl wollte sich bei uns besagter Wow-Effekt nicht einstellen. Was der Kreative wohl auch spürte, denn er begann den Effekt zu erklären.

Hyper-Ideen

Danach stellt er eine „super trendige Plakatidee“ vor, gefolgt von einer „fantastischen Idee für eine extrem buzzige Instagram-Aktion“ und anschließend kam ein „total spektakulärer Guerilla-Event“. Fast jede Idee wurden mit Superlativen garniert und über den Klee eigengelobt.

Aufruf zur Bescheidenheit

Leute, hört auf, in Präsentationen so auf die Kacke zu hauen. Es kommt nicht gut! Lasst vielmehr eure konzeptionelle Kompetenz wirken und eure Ideen für sich selbst sprechen. Statt die herausragenden Talente eurer Kommunikation vollmundig zu proklamieren, solltet ihr sie in der Präsentation lebendig werden lassen. Die Zeit der blasierten Werbegurus ist vorbei, eure Auftraggeber wünschen sich Partner, die integer, fair und kompetent auftreten.

Aber der Weltkonzern mit dem angebissenen Apfel pflegt in seinen Keynotes doch auch diesen superlativgeschwängerten Stil? Ja, aber das macht es nicht besser!

Bildcollage nutzt grafische Elemente von pixabay.com: Annalise1988 und OpenClipart Vectors