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Web 2.0-Hype

Was haben manche Web 2.0-Events mit Kaffeefahrten gemein?

Kaffeewarnung

Heute nahm ich an einem Web 2.0-Workshop teil, auf dem fast alle Teilnehmer die momentane Social Media- und Digital Content-Euphorie anheizten. Ein neues Zeitalter begänne. Wer nicht einsteige, der sei von gestern und falle hinten runter. Das ging mir gehörig auf den Keks. Aber um ehrlich zu sein, war ich zu feige, den Finger zu heben und zu widersprechen.

Inzwischen sitze ich wieder im Büro. Es ist spät am Abend und ein Glas Rotwein gibt meinem Ärger neuen Schwung. Okay, reden wir Klartext.  Es ist schon richtig, die neue digitale Welt bricht viele alte Kommunikationswahrheiten auf und wälzt sie um. Alles ist im Fluss.

Aber das, was mir manche Web 2.0-Protagonisten als bahnbrechende Tatsachen verkaufen wollen, sind in Wirklichkeit neue Geschäftsmodelle und Vermarktungsargumente, die auf Annahmen basieren, die vielfach in einem halben Jahr schon wieder obsolet sind.

Die meisten Versuche, uns Kommunikationsleuten die neue digitale Welt zu erklären, leiden aus meiner Sicht unter Perspektivfehlern wie diesen:

  • Online gehört die Zukunft, Offline ist von gestern. – Blödsinn! Nur im Zusammenspiel beider Seiten entsteht eine schlagkräftige Ansprache. Kommunikation wird immer als Ganzes wahrgenommen. Kommunikationskonzepte müssen deshalb auf der strategischen Ebene über den Online-/Offline-Kategorien stehen und ganzheitlich denken. Es werden immer genau die Strategien und Maßnahmen genutzt, die das anstehende Problem optimal lösen, ganz gleich welcher Herkunft sie sind.
  • Web 2.0 hat das Soziale in die Kommunikation gebracht. – Blödsinn! Kommunikation war schon immer und in jeder Hinsicht sozial und baute Beziehungen auf – ganz gleich, ob Online oder Offline, Web 1.0 oder Web 2.0 , Werbung oder PR – die sozialen Regeln gelten für jede Art der Kommunikation.
  • Die Zukunft des Contents ist online. – Blödsinn! Inhalte sind der Treibstoff jeder Art von Kommunikation. Content muss deshalb online wie offline Sinn machen und abgestimmt vermittelt werden. Meine These lautet sogar: Web kills Content! Denn es gibt ein Qualitätsproblem, da zurzeit jeder Müll zum Content erklärt und online über uns ausgeschüttet wird. Dazu kommt ein Quantitätsproblem: Es wird immer mehr Content durch die Online-Kanäle gepumpt, der Content-Boom schwillt unaufhörlich zur Hyperinflation an und entwertet die Inhalte massiv.
By | 2017-04-14T10:44:23+00:00 Januar. 27th. 2016|Instrumente und Maßnahmen|