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Eine Polemik

Die Präsentationsfolie als Leergut. Eine Polemik

Blog-Zen

Referenten, die an den Zeitgeist glauben, nutzen in letzter Zeit gern diese leergeräumten, pseudoplakativen Präsentationsdesigns als Kulisse für ihren Fachvortrag.

Der Trend kam aus den USA. Meines Wissens fing es mit dem Buch „Presentation Zen“ von Garr Reynolds an. Textbasierte Folien überfordern die Zuhörer und lenken vom Wesentlichen ab, hieß es. Stattdessen wurden die „neue Einfachheit“ und die „hohe Kunst der Reduktion“ zur Erlösung von allem Powerpoint-Übel erklärt.

Seitdem beginnen die Vortragsfolien ihr Äußeres zu wandeln. Schlichte Fakten auf weißem Grund sind völlig out und werden durch vollflächige Fotos ersetzt – meist Stockfotos aus Fotoarchiven mit bedeutungsschwangeren Motiven wie „erfolgreicher Manager überwindet Hürde“ oder „motiviertes Team zieht an einem Strang“. Gern genommen werden auch esoterische anmutende Motive wie das „vergängliche Wort im Sand am Strand“ oder die „Erleuchtung im Gegenlicht einer Waldlichtung“.

Dazu gibt es dann keine spiegelstrichsteifen Textaussagen mehr, sondern kurze, bahnbrechende Erkenntnisse wie „Im Wandel liegt die Kraft“ oder „Ohne Content keine Awareness“.

Neulich saß ich als Zuhörer im Auditorium einer Marketingveranstaltung und gab mich den transzendenten Folien eines Powerpoint-Vortrags hin, konnte den tieferen Sinn nicht entdecken, sondern nur ästhetisierende Oberflächlichkeit. Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Mir fiel ein altmodisches Wort ein, das nur selten verwendet wird, das die Sache aber in doppelter Hinsicht auf den Punkt bringt: Alles nur Blendwerk.

(Steinpyramide Copyright: © grafikplusfoto – Fotolia.com)

By | 2017-04-14T11:01:39+00:00 September. 3rd. 2014|Pitch und Präsentation|