Loading...

Farbcodes in der Gestaltung

Farbcodes: Orientierungshilfe oder Verwirrspiel?


Designer und Agenturen empfehlen gern Farbcodes mit fixen Leitfarben für unterschiedliche Sortiments- oder Produktbereiche.  Zum Beispiel Grün für Sachbuch, Gelb für Belletristik und Hellblau für Kinderbuch. Alle Werbe- und Präsentationsmittel folgen den im Corporate Design-Handbuch definierten Codes und schaffen so einen strukturierten Überblick.

Dagegen ist nichts einzuwenden, das kann hilfreich sein, auch ich schlage in meinen Konzepten bisweilen solche Farbsysteme vor. Dennoch muss ich ein wenig Wasser in die Farbe gießen: Farbsysteme sehen gut aus, werden deshalb immer wieder gern genommen. Aber die Mehrzahl der Farbsysteme, die mir in den letzten Jahren begegnet ist, funktionierte nicht. Das Unternehmen freute sich zwar über die schöne farbliche Ordnung, aber die Zielgruppe draußen realisierte sie nicht.

Wer sich von seiner Agentur vom Einsatz unterschiedlicher Leitfarben überzeugen lässt, sollte folgendes im Auge behalten:

  • Die Leitfarben müssen Sinn machen – Die Farbcodierung soll den Adressaten (z. B. den Kunden) nutzen und nicht dem Absender. Nur wenn die Orientierungshilfe für die Adressaten eindeutig im Alltag von Wert ist, hat ein Farbcode Existenzberechtigung.
  • Weniger Leitfarben sind mehr – Eine Code-Palette mit drei Farben könnte funktionieren. Bei fünf Farben ist die Grenze erreicht. Aber  mehr Farben verlaufen und vermischen sich in den Köpfen der Zielgruppe.
  • Keine Abweichungen in den Leitfarben – Ein häufiges Problem ist, dass beispielsweise der definierte Grün-Code für Sachbuch in fünf unterschiedlichen Farbtönen existiert. Auf der Broschüre kommt das Grün anders als auf der Website. Und auf den Wänden vom Infostand sieht es wieder anders aus.  Zwei Tipps hierzu: Erstens, keine trendige Farbpalette auswählen, die in der Umsetzung nicht universell alltagstauglich ist. Zweitens, in der Produktion der verschiedenen Werbemittel pedantisch sein. Grundsätzlich ein Farbmuster für die Produzenten beilegen und keine Abweichungen dulden.
  • An die Zukunft denken – Hin und wieder erlebe ich, dass Farbsysteme nach kurzer Zeit wieder zusammenbrechen, weil z. B. neue Sortimentsbereiche hinzukommen oder wegfallen und dadurch die Harmonie des Farbcodes gestört oder zerstört wird.  Deshalb sollten Farbcodes so angelegt werden, dass sie flexibel bleiben, sich verkürzen oder erweitern lassen.
By | 2017-07-15T15:46:58+00:00 August. 15th. 2013|Text und Gestaltung|