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Wo beginnt Propaganda?

By | 2018-06-04T14:47:25+00:00 April. 6th. 2011|Branche und Business|

Werbung, PR und Propaganda

Da fragt mich doch ein Student, was den Unterschied ausmache zwischen Werbung und PR auf der einen und Propaganda auf der anderen Seite. Die Frage hat mich ins Schleudern gebracht.

Klar, man kann es sich einfach machen und Propaganda als ein Relikt aus dem letzten Jahrhundert weit von sich weisen. Aber, wenn ich ehrlich bin, liegt der Schatten der Propaganda über allem, was wir Werbe- und PR-Leute machen. Die Grenzen verwischen und die Übergänge sind fließend.

Ich will versuchen, ein wenig Klarheit zu schaffen. Die üblichen Lehrbuchdefinitionen von Propaganda (z. B. in Wikipedia) helfen mir erst mal nicht weiter. Werbung/PR und Propaganda sind unisono der Versuch, Sichtweisen zu formen und Verhalten zu verändern.  Beide arbeiten dabei mit manipulativen Techniken.  Beide sind emotional geprägt, denn Emotion ist der Treibstoff jeder Kommunikation. Und nicht nur Propaganda, sondern auch die moderne Kommunikation setzt bevorzugt auf einfache Sinnbilder und Symbole.

Aber wo liegt dann der Unterschied? In meiner eigenen Arbeit erlebe ich den Grenzverlauf etwa wie folgt:

  • Faire Kommunikation ist für mich immer dialogisch. Propaganda dagegen kommuniziert einseitig. Argumente sind nur Schein. Und wenn Resonanz erwünscht ist, dann nur als  gleichgestimmtes Echo.
  • Faire Kommunikation hat Inhalte, vertritt Werte und fühlt sich der Wahrheit verpflichtet. Zugegeben, moderne Werbung und PR nutzen die vorhandenen Spielräume kreativ aus und überspannen bisweilen des Bogen, aber es gibt Hemmschwellen. Vor einer glatten Lüge schrecken die meisten zurück. Diese Skrupel hat die Propaganda nicht. Sie kümmert sich einen Dreck um Inhalte, Wahrheit und Werte, einzig Zweck und Ziel zählen. Dazu ist jedes Mittel recht, bis hin zu Wirklichkeitsfälschung und Rufmord.
  • Faire Kommunikation erkennt soziale Bezüge an und bevorzugt  positive Verstärkung. Propaganda ist im Wesen radikal und aggressiv. Sie hat keinerlei Problem damit,  Angst zu machen, Feindbilder zu prägen, Hass zu schüren und Panik zu erzeugen.

Wie gesagt, der Übergang  zur Propaganda ist fließend – und so kommt es, dass man auch im Jahr 2011 in Werbung und PR nie davor gefeit ist, die Grenze zu überschreiten und Unternehmenszweck, Marketingziele oder Wahlergebnisse radikal über Wirklichkeit und Wahrheit zu stellen.

Zu den aktuellen Blogbeiträgen!

3 Comments

  1. y 18. April 2011 at 12:05 pm

    klasse! der beitrag bringt ein bauchgefühl auf den punkt.

  2. Thomas 21. Januar 2013 at 2:57 pm

    PR = Propaganda. Der Begriff „Public Relation“ wurde im frühen 19. Jahrhundert von Edward Bernays einzig und allein deshalb „erfunden“, weil „Propaganda“ negativ behaftet war. Es bezeichnet jedoch dieselbe Sache. Man kann die Werbung in ihrem heutigen Zustand schönreden, wie man will, seit Edward Bernays den damaligen Wandel von einer Bedarfswirtschaft (auch Werbung war zu diesem Zeitpunkt „faktenbasiert“ und nicht manipulativ) in eine Konsumwirtschaft ins Rollen brachte, ist unser Alltag bestimmt von Propaganda auch wenn es die meisten nicht erkennen/wahrhaben wollen.

  3. Thomas 21. Januar 2013 at 7:54 pm

    Sry, ich meinte natürlich das frühe 20.(!) Jahrhundert.

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